Wirtschaft : Opel entscheidet sich für den Standort Deutschland

Die Produktion des Astra bleibt auch nach dem Modellwechsel in Bochum. Antwerpen hat verloren: Dort werden Stellen abgebaut

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main/Brüssel - Werksschließungen bei Opel in Europa sind vorerst vom Tisch. Allerdings wird das Unternehmen bis Ende 2009 erneut 1400 Arbeitsplätze abbauen, in der Fabrik im belgischen Antwerpen wird die dritte Schicht gestrichen. Damit fallen dort rund ein Drittel der Stellen weg. Andererseits ist mit der Entscheidung der Opel-Mutter General Motors die Zukunft des Werkes in Bochum gesichert: Dort soll ab 2010 wie auch in den Fabriken im britischen Ellesmere Port, im schwedischen Trollhättan und im polnischen Gliwice die neue Generation des Astra gebaut werden. „Wir werden Bochum jetzt voll auslasten können“, sagte GM-Europa-Präsident Carl-Peter Forster am Dienstag. Das Werk in Antwerpen, wo der Astra bislang ebenfalls vom Band läuft, geht allerdings leer aus. Welche Opel- oder GM-Modelle dort ab 2010 produziert werden, soll bis Jahresende geklärt werden.

„Wir haben unser Ziel erreicht, Werksschließungen zu vermeiden“, sagte Klaus Franz, Chef des Opel-Betriebsrates und des europäischen Arbeitnehmerforums von GM, am Dienstag. Beworben um die Produktion für den neuen Astra hatten sich fünf Werke in Europa mit insgesamt rund 16 500 Mitarbeitern. Forster räumte nach Bekanntgabe der Entscheidung in Brüssel ein, dass alle Opel-Fabriken in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hätten und bei Kosten, Produktivität und Qualität dicht beieinanderlägen. Trotz des erneuten Stellenabbaus müssen die Arbeitnehmer aber noch einmal Zugeständnisse machen, nachdem bereits 2005 bei GM in Europa rund 12 000 Arbeitsplätze gestrichen worden waren, die meisten davon in Deutschland. GM will für die Produktion des neuen Astra zwar rund 3,1 Milliarden Euro investieren, allerdings soll die Produktivität um ein Drittel verbessert werden, was dem Vernehmen nach Kostensenkungen um 450 Millionen Euro pro Jahr bringt. Die Fertigungszeit des neuen Astra soll von 24 auf 15 Stunden gesenkt, Zulagen sollen reduziert oder gestrichen werden.

Das GM-Arbeitnehmerforum hatte sich bereit erklärt, für Einsparungen von rund 290 Millionen Euro zu sorgen, falls kein Werk geschlossen wird. Wie die neuerlichen Einschnitte für die rund 4900 deutschen Opel-Mitarbeiter in Bochum konkret aussehen, steht noch nicht fest. Für den neuen Astra plant GM jährlich eine Produktion von 750 000 Fahrzeugen. Experten hegen aber Zweifel, ob dies mit den vorhandenen Werken profitabel zu leisten ist. „Das Problem ist nur vertagt. GM zieht einer Werksschließung offenbar ein langsames Auslaufen von Werken vor“, sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Vor allem die Fabrik in Trollhättan sei weiter gefährdet. Generell seien die Opel-Werke zu klein. Auch Betriebsratschef Franz hatte unlängst darauf hingewiesen, dass bei der Produktion des neuen Astra eine Überkapazität von 230 000 Einheiten drohe. Dies entspreche ungefähr der Kapazität eines Werkes wie Bochum oder Antwerpen. Immerhin geht es aufwärts: Opel verbuchte 2006 erstmals seit sieben Jahren wieder einen Gewinn. Und im ersten Quartal wurden in Europa mit knapp 429 000 Fahrzeugen so viele verkauft wie zuletzt 2001.

Meinungsseite

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben