Opel fährt auf Lena ab : "Ich bin auch tierisch froh"

Lena Meyer-Landrut wirbt für Opel – die Marke wünscht sich ein jüngeres Image. Experten reagieren skeptisch: Opel braucht coole Autos, keine jungen Gesichter.

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Langfristige Beziehung. Lena Meyer-Landrut – hier mit einem Corsa – soll zum Beispiel in Online-Netzwerken für Opel werben.
Langfristige Beziehung. Lena Meyer-Landrut – hier mit einem Corsa – soll zum Beispiel in Online-Netzwerken für Opel werben.Foto: promo

Berlin - Lena Meyer-Landrut tritt in den diplomatischen Dienst von Opel ein. Als neue „Markenbotschafterin“ präsentierte Opel-Chef Nick Reilly die Gewinnerin des Eurovision Song Contests am Samstagabend 20 000 Besuchern der Rüsselsheimer Unternehmenszentrale. Die 19- Jährige soll als Werbegesicht im Mittelpunkt einer Marketingoffensive stehen, die Opel ein jüngeres Image geben soll. Lena sei „wundervoll, unprätentiös, ehrlich, kommt bei den Leuten an und ist ein frisches Gesicht“, sagte Reilly beim „Tag der offenen Tür“ in Rüsselsheim. So wolle Opel auch wieder sein. „Das ist eine perfekte Verbindung.“ Lena beließ es auf der Show-Bühne bei einem diplomatischen Kurzkommentar: „Ich bin auch tierisch froh und find’s richtig toll.“ Zu den Details des Werbevertrags machten weder Opel noch die Abiturientin weitere Angaben.

Opel hat eine Frischzellenkur dringend nötig. Im Schnitt sind Opelfahrer 53 Jahre alt. Bei 18- bis 25-Jährigen ist der Hersteller die „mit weitem Abstand langweiligste Marke“, wie eine Studie des Center of Automotive Management an der Fachhochschule Bergisch Gladbach ergab. Mit dem langfristig angelegten Engagement von Lena Meyer-Landrut versucht Opel nun eine „neue Markenaktivierung“. Jüngere Zielgruppen sollen zum Beispiel über soziale Netzwerke im Internet angesprochen werden, Musik und Entertainment stehen dabei im Vordergrund. Opel hatte bereits angekündigt, ein Stadtauto unterhalb des Kleinwagens Corsa zu entwickeln. Außerdem wird erwogen, Lifestyle-Modelle wie den Opel Manta wiederzubeleben.

Beobachter sehen die Marketingoffensive skeptisch. „Opel braucht junge Autos, keine jungen Werbegesichter“, sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Essen-Duisburg dem Tagesspiegel. Die Opel-Mutter General Motors (GM) laufe Gefahr, Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Mit teurer Werbung versuche der US-Konzern, die mangelhafte Modellpolitik zu übertönen.

Werbung mit Prominenten, sogenannten Testimonials, ist beliebt – und war für Opel in der Vergangenheit schon erfolgreich. So gab sich die Marke mit Steffi Graf oder Franziska van Almsick ein sportlicheres Gesicht. Zuletzt hatte der Hersteller nach eigenen Angaben 2005 mit dem bekannten italienischen Fußball-Schiedsrichter Pierluigi Collina geworben. Der millionenschwere Vertrag mit Opel wurde Collina allerdings zum beruflichen Verhängnis – er musste zurücktreten. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz glaubt, dass Opel mit Lena Meyer-Landrut an alte Zeiten anknüpfen kann: „Ich finde die Idee gut“, sagt Franz. „Lena verkörpert das jugendliche Element in Opel.“ Franz räumt jedoch ein, dass dies nicht für alle Opel-Modelle funktioniert: „Sie passt gut zum Corsa, für den Insignia brauchen wir jemand anderen.“

Unterdessen landet ein anderer Marketing-Coup von Opel wohl vor Gericht. Die Wettbewerbszentrale und der Autohersteller wollen ihren Streit um die „lebenslange“ Garantie für Neuwagen bis zur letzten Instanz ausfechten. Nach einem Bericht der „Automobilwoche“ will die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs zeitnah beim Landgericht Darmstadt eine Klage gegen das Garantieversprechen einreichen. Der Fall werde wohl bis zum Bundesgerichtshof gehen, zitierte das Blatt den damit beauftragten Anwalt Andreas Ottofülling. Für Opel kündigte Marketing-Geschäftsführer Alain Visser ebenfalls an, das Unternehmen werde alle Rechtsmittel ausschöpfen. Die Wettbewerbszentrale wirft Opel vor, die Kunden mit der Werbung zu täuschen. Die Garantie gelte wegen Einschränkungen keineswegs über die gesamte Lebensdauer des Wagens. mit dpa

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