Opel fällt weiter zurück : 1,3 Milliarden Euro Verlust

Der Mutterkonzern General Motors macht Gewinne, doch Opel stürzt immer tiefer in die roten Zahlen. Gleichzeitig kommen die Verhandlungen über die Zukunft der deutschen Werke in die entscheidende Phase.

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Marke mit Malus. Opel kommt nicht aus den Schlagzeilen und wird auch in diesem Jahr einen Verlust machen.
Marke mit Malus. Opel kommt nicht aus den Schlagzeilen und wird auch in diesem Jahr einen Verlust machen.Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Aus Sicht des Managements ist der Zeitpunkt perfekt: Einen Tag vor den entscheidenden Verhandlungen zwischen Opel-Führung, Betriebsrat und IG Metall meldete die Mutter General Motors (GM) am Donnerstag einen Milliardenverlust bei der europäischen Tochter. Umgerechnet 1,3 Milliarden Euro hat Opel im vergangenen Jahr verloren, rund zweieinhalbmal so viel wie 2011. Das stärkt nicht die Position der Arbeitnehmer, die für die Opel-Werke in Rüsselsheim, Kaiserslautern, Eisenach und Bochum langfristige Garantien fordern. „Wir müssen in Besitzstände der Arbeitnehmer eingreifen, um einen Sanierungsbeitrag zu generieren“, sagte Armin Schild, IG-Metall-Chef von Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz sowie Mitglied im Opel-Aufsichtsrat, dem Tagesspiegel. Die Gegenleistung des Unternehmens seien „verbindliche Konzepte“ für die Standorte.

Die miesen Geschäftszahlen haben nach Einschätzung von Schild kaum Auswirkungen auf die Verhandlungen. „Die Zahlen sind genau so, wie wir befürchtet haben. In der europäischen Autoindustrie ist eben im Moment nichts zu verdienen.“ Tatsächlich hatte die französische PSA-Gruppe (Peugeot und Citroen) am Mittwoch einen Rekordverlust von fünf Milliarden Euro gemeldet. Am Donnerstag folgte mit Renault der zweitgrößte französische Autohersteller. Allein wegen der Beteiligung an Nissan und diverser Sondereffekte schloss Renault das Jahr noch mit einem Gewinn ab.

Opel - eine Firmengeschichte
Düstere Aussichten: In Bochum ist der letzte Opel vom Band gelaufen.Weitere Bilder anzeigen
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05.12.2014 11:10Düstere Aussichten: In Bochum ist der letzte Opel vom Band gelaufen.

Deutlich profitabler ist General Motors. Der weltweit größte Autohersteller machte vor allem wegen der guten Entwicklung auf dem US-Markt einen Gewinn von fünf Milliarden Dollar. Aufgrund der Belastungen war das aber ein Drittel weniger als im Jahr zuvor. Der Absatz von Opel und der Schwestermarke Vauxhall fiel in Europa von 1,22 auf 1,05 Millionen Fahrzeuge, der Marktanteil von 8,7 auf 8,5 Prozent. Eine erste kleine Hoffnungsmeldung gab es am Donnerstag aus der Rüsselsheimer Opel-Zentrale. Auf dem deutschen Heimatmarkt fiel der Absatz im Januar zwar weiter. Doch mit einem Minus von sechs Prozent schlug sich Opel besser als die Wettbewerber, der Gesamtmarkt schrumpfte um 8,6 Prozent. „Mitte des Jahrzehnts wollen wir wieder die Gewinnschwelle erreichen“, sagte ein Opel-Sprecher. Und der Verlust in diesem Jahr werde geringer ausfallen als 2012. Das hängt aber wiederum ab von den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern. Die Stundung der letzten Tariferhöhung reicht dem Management jedenfalls nicht, um langfristige Garantien für die Standorte zu geben.

Das größte Problem ist Bochum, wo bislang der Minivan Zafira gebaut wird und wo Opel noch rund 3800 Mitarbeiter hat. Spätestens 2016 läuft dort die Fahrzeugproduktion aus, vielleicht aber auch schon 2014. IG Metall und Betriebsrat wollen Bochum als Komponentenwerk erhalten und somit zumindest einen Teil der Belegschaft retten. Das wird schwer genug, denn im Moment sind die Opel- Standorte, auch das Komponentenwerk in Kaiserslautern, nur rund zur Hälfte ausgelastet. Die komplette Schließung von Bochum ist indes auch für General Motors nicht optimal, weil vermutlich ein Milliardenbetrag für Abfindungen fällig würde. „Wenn es zu keiner anständigen Lösung für die Menschen kommt, dann gibt es einen riesen Ärger“, kündigte bereits die IG Metall an.

Trotz des zähen Verhandlungsprozesses, der eigentlich Ende 2012 abgeschlossen sein sollte, hoffen die Arbeitnehmer nach wie vor auf Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky, der von Detroit mit einem Sanierungsauftrag nach Europa geschickt worden war. Die aktuellen Zahlen werden jedenfalls die Verhandlungen beschleunigen, glaubt Armin Schild. „Das wirkt wie ein Torpedo.“ (mit dpa)

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