Opel, Ford und BMW : Autobranche stoppt die Bänder

Die Krise an den Finanzmärkten schlägt zunehmend auf die Realwirtschaft durch: Ein wichtiges Indiz dafür ist, dass mehrere Autohersteller angekündigt haben, ihre Produktion zu drosseln oder zeitweilig ganz einzustellen. Sie begründeten dies mit der Kaufzurückhaltung der Verbraucher im In- und Ausland. Auch andere Branchen ächzen bereits.

Kevin Hoffmann

Berlin - Die Krise an den Finanzmärkten schlägt auf die Realwirtschaft in Deutschland durch: Ein konkret greifbares Indiz dafür ist, dass mehrere Autohersteller am Dienstag angekündigt haben, ihre Produktion zu drosseln oder zeitweilig ganz einzustellen. Sie begründeten dies mit der Kaufzurückhaltung der Verbraucher im In- und Ausland. Aber auch andere Branchen ächzen bereits.

Der Autobauer Opel will ab Montag die Produktion in den Werken in Bochum Eisenach mit zusammen 6800 Beschäftigten für etwa zwei bis drei Wochen beenden. Auch in den ausländischen Werken in Polen, England und Spanien sollen Bänder bald stillstehen. Ein Sprecher begründete die Schritte mit der Kaufzurückhaltung – vor allem in Deutschland, Großbritannien und Spanien. Opel will die Produktion zum Jahresende zunächst um 40 000 Fahrzeuge drosseln. 2007 verkaufte das Unternehmen europaweit 1,74 Millionen Autos.

Auch BMW kündigte an, 40 000 Autos, die für den US-Markt bestimmt waren, weniger zu bauen oder nach China oder Russland zu verschiffen. Daimler drosselt die Produktion in den Mercedes-Benz-Werken in Deutschland sowie Tuscaloosa (USA). Im größten Werk in Sindelfingen sollen die Weihnachtsferien deutlich früher beginnen. Und Ford kündigte an, die Produktion in Saarlouis zurückzufahren und dort zudem mehr als 200 Zeitarbeiter zu entlassen.

„In Deutschland halten sich die Kunden schon länger zurück. Jetzt lässt auch die bisher starke Auslandsnachfrage nach“, sagte Andreas Kraus vom Verband der Automobilindustrie (VDA). Für das Jahr 2008 deute die Entwicklung darauf hin, dass es schwieriger werde, die prognostizierten Neuzulassungen in Höhe von 3,2 Millionen zu erreichen. 2007 war der deutsche Automarkt bereits um 9,2 Prozent auf 3,15 Millionen Neuzulassungen eingebrochen.

Die Krise der Autoindustrie trifft auch Teile des Handwerks – vor allem die großen Betriebe, die für die Industrie Zulieferung, Wartung und Dienstleistungsaufgaben übernehmen, wie Alexander Legowski, Sprecher des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), sagt. Immerhin würden die Handwerker aber noch ausreichend relativ günstige Kredite von den Banken erhalten, da die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken nicht so stark von der Finanzkrise betroffen sind.

Die gefürchtete Kreditklemme gibt es also noch nicht. Aber: „Durch die Finanzkrise geht den Banken Eigenkapital verloren, deshalb können sie nicht mehr so viel Geld verleihen“, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). In der Folge könnten sich deshalb Kredite in Zukunft verteuern.

Bei den Dienstleistern ist die Stimmung heute schon im Keller: Laut einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist sie so schlecht wie seit fünf Jahren nicht mehr. Vor allem die Software-, Telekommunikations- und IT-Dienstleister seien extrem pessimistisch. Der ZEW-Dienstleister-Index sank auf 52,3 Punkte. Dies signalisiere, dass die Krise das Wachstum des Service-Sektors fast zum Stillstand gebracht hat, hieß es.

Ein Großteil der Krise lauert womöglich noch in den Geschäftsbüchern der Unternehmen: Auf die Konzerne rolle wegen der Krise eine Abschreibungswelle zu, heißt es in einer Studie von „Handelsblatt“, der Beraterfirma Oliver Wyman und dem Institut für Wirtschaftsprüfung, in der die Zahlen von 127 börsennotierten Firmen untersucht werden. Demnach stehen bei den Konzernen teuer zugekaufte Firmen mit 175 Milliarden Euro an Geschäfts- oder Firmenwerten in den Bilanzen. Dieser sogenannte „Goodwill“ muss berichtigt werden, wenn sich die wirtschaftlichen Perspektiven – wie jetzt – unerwartet verschlechtern. Das drückt den Gewinn. Viele Konzerne zögerten diese nötigen Wertberichtigungen aber hinaus.

Immerhin sind die Auftragseingänge der Industrie im August deutlich um 3,6 Prozent gestiegen. „Damit ist das Bild wieder etwas weniger unfreundlich als nach den katastrophalen Juli-Zahlen. „Die Daten ändern aber nichts daran, dass sich die Industrie in einem starken Abschwung befindet und die deutsche Wirtschaft auf eine Rezession zusteuert“, sagte Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. Mitarbeit: Carsten Brönstrup

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