Opel : GM dementiert Einigung mit Magna

Magna sah sich schon fast als Sieger im Rennen um Opel gegen den Mitbieter RHJI. Jetzt kam der Dämpfer von GM: Man sei sich noch gar nicht einig.

Nach der vermeintlichen Einigung von General Motors (GM) und dem Zulieferer Magna hatten viele geglaubt, das Rennen um Opel wäre entschieden. Jetzt dementierte GM-Chefverhandler John Smith in einem Blog, dass es diese Einigung gibt. Vor einer Entscheidung über die Zukunft des Rüsselsheimer Autobauers gebe es noch viel zu tun. 

Smith stellte klar, dass es bislang noch keine Festlegung auf einen der beiden Opel-Bieter gibt. Der Opel-Mutterkonzern habe ein neues Angebot des Magna-Konsortiums erhalten und werde dieses nun mit dem "attraktiven Vorschlag von RHJ" vergleichen. Die Ergebnisse würden dem GM-Verwaltungsrat vorgelegt. Seine Empfehlung gilt als Grundlage für eine Entscheidung der deutschen Opel-Treuhand in dem seit Wochen dauernden Bieterwettbewerb. Sie entscheidet letztlich über den Verkauf.

Magna-Co-Chef Siegfried Wolf hatte am Donnerstag gesagt, beide Unternehmen hätten sich auf Managementebene über noch offene Punkte geeinigt. Nun habe Magna seine Chancen verbessert und zum Konkurrenten RHJ International (RHJI) aufgeschlossen. Die belgische Beteiligungsgesellschaft hatte sich bereits im Juli mit GM geeinigt und einen unterschriftsreifen Vertrag vorgelegt.

Vorher hatte auch Angela Merkel (CDU) gesagt, dass noch nichts entschieden sei. "Wir sind nach wie vor im Verhandlungsprozess", sagte die Kanzlerin bei einer Veranstaltung am Donnerstagabend in Berlin.

Sie machte jedoch erneut deutlich, dass die Bundesregierung weiterhin dem Konzept des österreichisch-kanadischen Zulieferers Magna den Vorzug gibt. "Das Modell von Magna ist das interessantere und das zukunftsträchtigere", sagte sie. Bund und beteiligte Länder seien sich darin einig. Möglicherweise komme GM aber zu einer anderen Einschätzung, so Merkel weiter.

Magna will gemeinsam mit der russischen Sberbank bei Opel einsteigen und benötigt 4,5 Milliarden an Staatshilfe, während RHJI seine Ansprüche auf weniger als drei Milliarden Euro herunterschraubte.

Trotz der Zugeständnisse lehnt der Opel-Betriebsrat das Angebot von RHJI weiterhin ab. "Wenn RHJ International seine Ansprüche auf Staatshilfen nun drastisch senkt, geht das nur, wenn der Finanzinvestor auf Investitionen und Projekte für Opel verzichtet", sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz dem Handelsblatt. "Die Annahme, dass RHJI Investitionen reduzieren wolle, ist völliger Unsinn", entgegnete RHJ-Verhandlungsführer Gerd Häusler.

Nach dem neuen Magna-Konzept soll Opel weiter Teil des GM-Verbundes bleiben, bekommt aber einige Freiheiten zugestanden. Unter anderem habe man sich darauf geeinigt, dass Opel die Entwicklung von Motoren und Getrieben auch an andere Unternehmen vergeben darf. Dafür müsse das Unternehmen dann keine Lizenzgebühren an die ehemalige Opel-Mutter zahlen. GM hatte dies zuletzt noch gefordert.

Bei dem Geschäft in Russland wollen Magna, dessen russische Partner und GM nach Magna-Angaben eng kooperieren. Chevrolet und Opel sollen als eigenständige Marken erhalten bleiben, aber gemeinsam verwaltet und über dieselben Händler verkauft werden.

Magna strebt nach Angaben des Unternehmens weltweit mit Opel starkes Wachstum an, bekommt aber nach dem Konzept einige Auflagen. Korea und die USA seien als Märkte für Opel tabu. Auf dem kanadischen Markt dürfe Opel erst nach zwei Jahren mitspielen. In China seien zwei Modellreihen für fünf Jahre gesperrt.

Bei der Nutzung von GM-Patenten durch andere Autobauer habe der US-Autobauer ein Veto-Recht. Der Magna-Partner Sberbank darf laut Magna nach einer Opel-Übernahme seinen 27,5-Prozent-Anteil nur an den Autobauer GAZ und die Förderbank VEB weiterverkaufen. Bei anderen Interessenten sei die Zustimmung von GM notwendig.

Eine endgültige Entscheidung für einen der beiden Bieter soll es nach dem Willen von GM noch vor der Bundestagswahl geben.

 

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, tos

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben