Opel Hetzer : "Wir wissen nicht, wohin mit den vielen Autos"

Heidi Hetzer, Inhaberin von Berlins ältestem Opelhändler, beklagt, dass sich die Politik nur um die großen Konzerne kümmert.

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Heidi Hetzer will sich jetzt eine neue Hausbank suchen. -Foto: Spiekermann-Klaas

Berlin - Während die Bundesregierung die Autohersteller unterstützt und die Bundesländer über Hilfen für Zulieferer nachdenken, müssen die Autohändler zusehen, wie sie klarkommen. „Dabei sind wir von der Krise mindestens ebenso hart betroffen wie die Industrie“, sagt Heidi Hetzer, Inhaberin von Berlins ältestem Opelhändler. Sie gibt nun einen von drei Standorten auf: Die Werkstatt in der Luisenstraße in Mitte wird geschlossen. „Die sechs Mitarbeiter übernehmen wir aber an unseren anderen beiden Standorten.“

Die Rennfahrerin hofft, dass sich die Politik nicht nur um die großen Fabriken kümmert, sondern auch etwas für den Handel unternimmt. Schließlich beschäftigten Autohändler und Reparaturbetriebe in der Region 37 000 Menschen, sagt Hetzer. 123 davon arbeiten an den verbleibenden beiden Opel-Hetzer-Standorten in Charlottenburg und Steglitz. „Die einfachste Hilfe für uns wäre eine Senkung der Mehrwertsteuer, dann haben die Leute wieder mehr Geld zum Ausgeben“, sagt Hetzer, die den Betrieb 1969 von ihrem Vater geerbt hat. Seit 75 Jahren handeln die Hetzers in Berlin mit Autos von Opel.

Nicht nur der Verkauf, der um etwa 50 Prozent zurückgegangen ist, macht Heidi Hetzer Sorgen. „Fast noch schlimmer ist der Rücklauf an Leasing-Fahrzeugen. Wir wissen gar nicht, wohin mit den vielen Autos.“ Anders als bei einigen anderen Herstellern werden bei Opel die Leasing-Geschäfte nicht über eine eigene Bank, sondern über die Händler abgewickelt. Nun gerät Heidi Hetzer auch noch von ihrer Hausbank unter Druck, bei der sie keinen Kredit mehr bekomme. „Die behandeln mich, als wüsste ich nicht, wie man einen Betrieb führt, dabei bin ich bald seit 40 Jahren im Geschäft.“ Die Unternehmerin ist jetzt auf der Suche nach einer neuen Bank.

Auch der Zentralverband des Kraftfahrzeuggewerbes befürchtet, dass die Händler von der Krise voll erwischt werden. Nach Schätzungen des Verbandes sind im Autohandel bundesweit in den nächsten drei Monaten bis zu 30 000 Jobs in Gefahr. Der Verband geht davon aus, dass über 1000 Händler akut von der Insolvenz bedroht sind. Sie hätten im Durchschnitt 25 Beschäftigte. Die Lage sei ernst und der Auftragseingang im Oktober um zwölf Prozent gesunken. „Die Finanzkrise kommt langsam bei uns an. Die eine oder andere Bank wird nervös“, sagt Verbandssprecher Helmut Blümer.

Das erlebt auch Heidi Hetzer. Noch setzt sie auf die Politik: „Ich hoffe, dass die Regierung es noch vor Weihnachten schafft, ein Konjunkturpaket aufzulegen, das auch wirklich bei uns ankommt.“ avi

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