Wirtschaft : Opel oder Saab – ein Werk zu viel

General Motors hat Kapazitätsprobleme in Rüsselsheim und in Schweden

Alfons Frese

Berlin - General Motors (GM) strafft seine Produktion in Europa. Der größte Autokonzern der Welt bestätigte am Freitag Pläne, wonach die Mittelklassemodelle Opel Vectra und Saab 9-3 von 2008 an nur noch in einer Fabrik hergestellt werden. Derzeit wird der Vectra am Rüsselsheimer Opel-Stammsitz gebaut und der Saab 9-3 im schwedischen Trollhättan. Von elf GM-Fabriken in Europa sind Rüsselsheim und Trollhättan am schlechtesten ausgelastet.

Am Freitag trafen sich die Betriebsratsvorsitzenden von Opel und Saab in Schweden. „Die europäischen Arbeitnehmervertreter werden sich nicht durch Sozialdumping gegeneinander ausspielen lassen“, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Opel-Betriebsratschef Klaus Franz. Die Arbeitnehmer fordern neue Produkte, um die Werke auszulasten, und einen „Zukunftsvertrag für alle europäischen General Motors Standorte, der betriebsbedingte Kündigungen ausschließt“. Bei den derzeit laufenden Tarifvertragsverhandlungen bei Opel hat die Unternehmensseite das abgelehnt.

Die Befürchtungen um die Autowerke – in Rüsselsheim produzieren rund 6000 Personen den Vectra, in Trollhättan gibt es 6300 Beschäftigte – rief unterdessen auch die Politik auf den Plan. Die schwedische Regierung bildete eine Arbeitsgruppe, in Wiesbaden erklärte der hessiche Ministerpräsident Roland Koch, er trete „persönlich dafür ein, den Standort zu sichern“. GM versuchte derweil die Wogen zu glätten, die Konzentration der beiden Modelle in einer Fabrik „bedeutet nicht automatisch die Schließung eines Werkes“, sagte ein GM-Sprecher der Deutschen Presseagentur.

Das kann man sich auch bei der IG Metall nicht vorstellen. Der Frankfurter Sprecher der Gewerkschaft, Achim de Hair, sprach von einer „Drohkulisse“, die GM aufbaue, um bei den derzeit laufenden Tarifverhandlungen möglichst viel zu erreichen. Es sei „unwahrscheinlich, dass GM die Massenmarke Opel diskreditiert“, sagte der Gewerkschafter. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht das auch so. Nachdem erst vor zwei Jahren 750 Millionen Euro in Rüsselsheim investiert worden seien, könne man das Opel-Stammwerk nun kaum schließen. Auch auf Grund der geographischen Lage sei deshalb ein „Runterfahren“ der Kapazitäten in Trollhättan wahrscheinlich, indem dort nur noch Spezialmodelle gefertigt würden. „Es wäre kein Problem, die Saab-Produktion in Rüsselsheim mit zu übernehmen“, sagte Dudenhöffer. Allerdings haben die Schweden einen Kostenvorteil: In Rüsselsheim ist die Produktion eines Autos um sieben Prozent teurer als in Schweden. Die Entscheidung, wo die nächste Generation des Saab 9-3 und des Vectra gebaut werden, soll Anfang kommenden Jahres fallen.

General Motors hat seit Jahren Probleme in Europa, Opel und Saab kommen nicht aus den roten Zahlen. Mit den Marken Opel, Saab und Vauxhall erreichte GM 2003 einen Marktanteil von rund zehn Prozent. Bei einem Europa-Umsatz von rund 23 Milliarden Dollar blieb 2003 ein Verlust von 239 Millionen Euro an GM hängen. Die Amerikaner hatten 1989 Saab übernommen und seitdem rund 2,2 Milliarden Euro Verlust bei den Schweden verkraften müssen.

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