Opel-Rettung : General Motors spricht im Kanzleramt vor

Der bisherige Opel-Mutterkonzern will klar machen, welchen der drei Übernahme-Interessenten er bevorzugt. Beteiligte dämpfen die Hoffnung auf eine schnelle Entscheidung.

BerlinDer US-Konzern General Motors (GM) will den Milliardenpoker um Opel bis zum Monatsende beenden. Am Mittwoch stellen Vertreter von GM der sogenannten Opel-Task-Force in Deutschland die drei Übernahmeangebote für den geschwächten Autohersteller vor. Zu dem Kreis gehören Staatssekretäre des Bundeswirtschafts- und des Bundesfinanzministeriums, ein Vertreter der vier Bundesländer mit Opel-Standorten sowie der Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Jens Weidmann.

Die Politik hat die Hoffnung auf eine schnelle Entscheidung im Vorfeld allerdings gedämpft. Bei dem Treffen im Berliner Kanzleramt handele es sich um ein Informationstreffen auf Arbeitsebene. Allerdings will GM laut eigenen Angaben bereits deutlich machen, welchen Vertragsentwurf er bevorzugt. Bis Ende der Woche sollen die Verträge dem Opel-Aufsichtsrat sowie den Regierungen der anderen europäischen Länder mit Opel-Standorten vorgestellt werden.

Doch auch hier bremst die Regierung: Es sei unwahrscheinlich, dass bereits bis zum Wochenende eine Vorentscheidung falle, hieß es in Berlin.

Bei dem Bieterwettstreit sind noch drei Interessenten im Rennen: der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna, der belgische Finanzinvestor RHJ International sowie der chinesische Hersteller Baic. Bis Montag hatten sie alle ihre unterschriftsreifen Vertragsentwürfe bei GM einreichen müssen.

Sowohl RHJI als auch die Chinesen hatten kurz vor dem Auslaufen der Frist ihre Angebote nachgebessert. Der Finanzinvestor ist der Bundesregierung dabei weiter entgegengekommen und will sein angekündigtes Eigenkapital von 275 Millionen Euro nun bereits bei Vertragsabschluss komplett einbringen. Bislang sollten 100 Millionen Euro davon erst Ende 2012 an "NewOpel" gehen. Erst mit der nun neu vereinbarten Kapitalspritze sei das Konzept für das Bundeswirtschaftsministerium akzeptabel, sagte RHJI-Chef Leonhard Fischer.

Trotz dieser Nachbesserungen favorisieren sowohl die Bundesregierung als auch die Landesregierungen mit Opel-Standorten auch weiterhin Magna als zukünftigen Besitzer von Opel. Auch der Betriebsrat des Rüsselsheimer Autobauers hat sich für den Autozulieferer ausgesprochen. "Es muss alles daran gesetzt werden, dass ein Investor zum Tragen kommt, der in der Lage ist, die Marke Opel zu globalisieren. Und das ist Magna", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzender Klaus Franz.

Am wenigsten Chancen werden nun den Chinesen eingeräumt, obwohl sie die niedrigsten Staatsgarantien einfordern und den geringsten Stellenabbau versprechen. "Baic kennt sich im europäischen Markt nicht aus und hat keine Kompetenz, die Marke zu globalisieren", befürchtet Franz. Zudem rechnen viele damit, dass deutsche Technologie nach China abfließt. Und GM dürfte die Pekinger auch deshalb ablehnen, um sich keinen Konkurrenten für den wichtigen chinesischen Markt ins Haus zu holen.

Nichtsdestotrotz drückt GM bei der Entscheidung aufs Tempo, was jedoch nicht allen Verhandlungspartnern passt. Hessens Ministerpräsident Roland Koch geht davon aus, dass der Prozess mehr Zeit beanspruchen wird. "Jeder der drei Vertragsentwürfe umfasst 500 Seiten. Die Sichtung wird frühestens Ende der Woche abgeschlossen." Zudem müssten sich alle Parteien eng abstimmen. "Das braucht seine Zeit."

Außerdem betonte Koch, dass dem US-Konzern nicht das letzte Wort in der Frage überlassen werden sollte. "Ob die Meinung von GM der Maßstab für die Zukunftskonzepte von Opel sein kann, wage ich zu bezweifeln." Er reagierte damit auf Berichte, wonach GM den Finanzinvestor RHJI den anderen Bietern vorziehen könnte. "Es gibt keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen einen Finanzinvestor. Es ist aber so, dass ein Finanzinvestor bestimmte Dinge nicht einbringen kann, wie dies ein strategischer Investor kann", so der stellvertretende CDU-Chef. Niemand käme daran vorbei, dass der Opel-Gipfel im Kanzleramt das Konzept von Magna bevorzugt habe. "Wir haben Magnas Konzept mehr als jedes andere durchleuchtet, denn Magna war beim Wettbewerb im Kanzleramt der bevorzugte Bieter."

Darum weiß auch GM – und auch darum, dass über den Verkauf von Opel nicht allein in Detroit entschieden werden kann. Da die Konzepte aller Bieter Staatsgarantien vorsehen, müssen auch die Bundesregierung sowie die Landesregierungen mit Opel-Standorten ihre Zustimmung geben. Das letzte Wort über den Investor hat die vor Wochen als Interimsträger gegründete Opel-Treuhand, die 65 Prozent der Anteile an Opel hält.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

0 Kommentare

Neuester Kommentar