Opel-Rettung : Große Koalition ist für Magna

Im Bieterwettbewerb um Opel legt sich die deutsche Politik zunehmend auf Magna fest. Nicht nur Kanzlerin Merkel sondern auch Ministerpräsident Beck bekräftigen ihre Präferenz. Der Mutterkonzern General Motors will nun nächste Woche endgültig zwischen Magna und RHJ entscheiden.

Sven Afhüppe,Carsten Herz

Berlin / Frankfurt am MainIm Bieterwettbewerb um Opel legt sich die deutsche Politik zunehmend auf Magna fest. Das Konzept des kanadisch-österreichischen Zulieferers biete eine „ausgezeichnete Chance“ für Opel, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag am Rande eines Treffens mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew. Magna hat sich mit der russischen Staatsbank Sberbank und dem Fahrzeughersteller Gaz verbündet und will mit Opel auf dem russischen Markt reüssieren. Auch der rheinland- pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) bekräftigte am Donnerstag die Favoritenstellung von Magna. Das Konzept des US-Investors Ripplewood beziehungsweise seiner belgischen Tochter RHJ sei eine „Zumutung“. Die Bundesländer mit Opel-Werken, neben Rheinland-Pfalz sind das Hessen, NRW und Thüringen, versprechen sich von Magna die meisten Arbeitsplätze.

RHJ International wies unterdessen den Verdacht zurück, dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) Zusagen über einen Rückkauf seiner Tochter gegeben zu haben. „Wir sehen uns bei Opel als einen strategischen Investor mit langfristigem Horizont“, sagte RHJ-Verhandlungsführer Gerd Häusler dem „Handelsblatt“. „RHJ hat kein Interesse, wie uns manchmal unterstellt wird, Opel kurzfristig weiterzuveräußern.“ Beck und Opel-Arbeitnehmervertreter hatten RHJ vorgeworfen, als Steigbügelhalter für GM zu fungieren und Opel wieder an die alte US-Mutter verkaufen zu wollen.

Die Konzepte der Interessenten werden derweil in der Endphase der Verhandlungen konkreter. RHJ plant, das belgische Opel-Werk Antwerpen im Frühjahr 2010 zu schließen und das thüringische Werk Eisenach für zwei Jahre stillzulegen. Auch die Kapazitäten der Werke in Bochum und Rüsselsheim würden verkleinert. Insgesamt plant RHJ ebenso wie Magna den Abbau von rund 10 000 Arbeitsplätzen in Europa. In Kreisen der Opel-Treuhand, die derzeit 65 Prozent am Autobauer hält und den Verkaufsprozess überwacht, hieß es, sowohl das Konzept von RHJ als auch das von Magna sei am unteren Rande dessen, was an Kapazitäten abgebaut werden müsse.

Magna will zwar Werksschließungen vermeiden, hält diese außerhalb Deutschlands aber für möglich. Als gefährdet gelten das britische Werk Luton und Antwerpen. Angesichts der schweren Branchenkrise kommt keiner der Interessenten um harte Schnitte herum. „Mein Eindruck ist, dass die Belgier derzeit vorne liegen“, hieß es in Kreisen der Opel-Treuhand. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen will Magna am Freitag ein überarbeitetes Konzept vorstellen.

Das Tauziehen um Opel geht damit in die Schlussrunde. GM hat den Interessenten mitgeteilt, dass der Datenraum für Opel am kommenden Montag geschlossen wird. Nach zwei, drei Tagen weiterer Prüfung der Konzepte könnte dann eine endgültige Festlegung auf einen Investor erfolgen. Sowohl RHJ als auch Magna wollen bereits bis zum Wochenende mit GM unterschriftsreife Verträge über Opel aushandeln.

Ripplewood beziehungsweise RHJ bemüht sich derzeit um politische Rückendeckung. Nach einer Präsentation im Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch trafen sich Vertreter des Investors am Donnerstag mit Hessens Ministerpräsident Roland Koch, der zuletzt die geplante Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro für Opel infrage gestellt hatte, sollte RHJ statt Magna den Zuschlag erhalten. HB/Tsp

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