Wirtschaft : Opel-Sanierung dauert länger als geplant

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Die Krise beim Autohersteller Opel weitet sich aus. Entgegen den Planungen wird das Unternehmen im kommenden Jahr vermutlich nicht in die Gewinnzone zurückkehren, erfuhr der Tagesspiegel aus Unternehmenskreisen. Das Opel-Management plant nun weitere Sparmaßnahmen, um die Kosten zu senken. Unter anderem sollen die Beschäftigten auf Teile des Lohns verzichten. Der Betriebsrat kündigte jedoch Widerstand gegen diese Pläne an.

Im vergangenen Jahr ist Opel tiefer in die Verlustzone geraten. Entsprechende Presseberichte bestätigten Unternehmenskreise am Freitag. Im operativen Geschäft stieg der Verlust auf 680 Millionen Euro, deutlich mehr als der Rekordverlust des Vorjahres von 501 Millionen Euro. Unter dem Strich soll es dennoch schwarze Zahlen bei dem Rüsselsheimer Hersteller geben - dafür sorgt den Kreisen zufolge ein gutes Ergebnis der Opel-Bank. Opel-Chef Carl-Peter Forster wird am kommenden Mittwoch die Bilanz des Unternehmens präsentieren.

Um die Kosten zu senken, will der Vorstand nun erstmals Lohnkürzungen vornehmen. Das Weihnachtsgeld und ein Teil der übertariflichen Zahlungen solle gekürzt werden, hieß es. Die Löhne der Opel-Beschäftigten liegen um rund 20 Prozent über dem Niveau des Flächentarifvertrags. Über die Pläne will der Vorstand nun mit den Arbeitnehmern verhandeln. Der Betriebsrat kündigte jedoch Widerstand an. "Die Belegschaft hat bei der Sanierung in den vergangenen Jahren schon genug geblutet", sagte Peter Klein, Vize-Betriebsrats-Chef des Werkes Rüsselsheim, dieser Zeitung.

Neben den Personal- will Opel auch die Vertriebskosten drastisch senken. Dazu ordnet der Konzern gerade die Händlerstruktur neu. Am Ende sollen von den heute 2300 noch 1700 Autohäuser und Werkstätten übrig bleiben, war zu hören.

Im Werk Bochum soll es zudem bei der Produktion des Mittelklasse-Modells Astra eine Schicht weniger geben. Diese Sparmaßnahme werde auf das Frühjahr 2002 vorgezogen, hieß es. Ob es gar zu der Einführung einer 30-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich kommen wird, ist unklar. "Das ist nur für den schlimmsten Fall denkbar, wenn sich die Lage nicht bessert", erklärte Dietmar Hahn, Chef des Bochumer Betriebsrats.

Jürgen Pieper, Auto-Analyst des Bankhauses Metzler in Frankfurt (Main), rät dem Opel-Vorstand zu weiteren Einschnitten. "Forster muss jetzt nachlegen. Wenn er die Verluste nicht bald senkt, wird er ein Werk schließen müssen", sagte er. Bis zu einem Viertel der Belegschaft könnten abgebaut werden. Denkbar sei auch die Einführung einer Vier-Tage-Woche ohne Lohnausgleich ähnlich dem Vorbild Volkswagen.

Auch der US-Hersteller Ford steckt in der Krise. Mit dem Abbau von 35 000 Stellen, der Schließung von fünf Fabriken in Nordamerika und der Zahlung einer geringeren Dividende will das Unternehmen in den kommenden Jahren wieder profitabel werden, kündigte Ford am Freitag in Dearborn (Michigan) an. Jobs in Deutschland seien nicht betroffen, hieß es.

"Olympia" soll die Wende bringen

Als Opel-Chef Carl-Peter Forster im Sommer 2000 sein Amt in Rüsselsheim antrat, war der einstige Massenhersteller und Volkswagen-Rivale zum Problemfall geworden. Opel, früher Vorzeigemarke im General-Motors-Konzern, war bei den Marktanteilen sogar unter die Zehn-Prozent-Marke gerutscht. "Olympia" soll nun die Wende und Ergebnisverbesserungen von mindestens zwei Milliarden Euro bringen. Das Sanierungsprogramm, über das Unternehmen und Belegschaft im Herbst 2001 einig wurden, sieht einen massiven Kapazitätsabbau in den europäischen Werken um bis zu 350 000 Autos vor. Außerdem sollten die Personalkosten sinken - aber nicht durch Entlassungen: Statt Werkschließungen und Kündigungen sollen Lohnkürzungen und das Ausnutzen der Fluktuation zum Sparen reichen. Damit will das Management rund 2 500 der etwa 36 000 Jobs in Deutschland streichen. Und zwar nicht nur in der Produktion, sondern auch in Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung. Neue Modelle in besserer Qualität als zuletzt sollen dafür sorgen, dass es auch beim Marktanteil wieder aufwärts geht.

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