Wirtschaft : Opel: Seit sechs Jahren in der Krise

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Am liebsten würden die Opel-Betriebsräte die Ex-Manager für das Desaster zur Verantwortung ziehen. Dabei denken sie wohl in erster Linie an Bob Hendry, der seinen Vorstandsposten im März nach nicht einmal zweieinhalb Jahren räumen musste. Vielleicht auch an den früheren Entwicklungschef Peter Hanenberger und die Herren in der Europa-Zentrale von General Motors (GM) in Zürich. Allerdings werden sie damit wohl kaum Erfolg haben. Gleichwohl ist das Missmanagement und der Niedergang von Opel seit Mitte der neunziger Jahre nicht nur bemerkenswert, sondern in der deutschen Automobilindustrie auch einmalig.

Noch 1995 waren die Rüsselsheimer mit einem Anteil von 17 Prozent am deutschen Autogeschäft dem Marktführer VW ganz dicht auf den Fersen. Seit Mitte der neunziger Jahre geht es mit Opel dagegen nur noch bergab: Heute liegt der Marktanteil bei dünnen zwölf Prozent. Weder der bei den Beschäftigten beliebte David Herman, der als einziger der amerikanischen Opel-Chefs der deutschen Sprache mächtig war, noch sein Nachfolger Gary Cowger, der gerade mal vier Monate Vorstandschef war, und schon gar nicht der unnahbare Hendry konnten das Ruder herumreißen.

Fatale Rückrufaktionen nagten am Ruf, genauso wie Qualitätsmängel und fehlerhafte neue Modelle wie der Opel Sintra, der nur zwei Jahre verkauft wurde. All das setzte der Marke und dem Image der Rüsselsheimer schwer zu. Zugleich schafften es Opel nicht, rechtzeitig attraktive neue Modelle auf den Markt zu bringen. Ein echtes Spitzenmodell hat Opel nicht. Dass in Rüsselsheim, Bochum, in Eisenach und in den anderen europäischen Werken gute Autos gebaut werden können, zeigt vor allem der Mini-Van Zafira. In diesem Segment können die Wolfsburger Opel nicht das Wasser reichen. Aber das ist eben viel zu wenig.

Rund vier Milliarden Mark dürfte Opel seit 1993 an Betriebsverlusten eingefahren haben. Das Autobauen war und ist ein Verlustgeschäft. Auch Ex-BMW-Manager Forster lässt kein gutes Haar an der Arbeit seiner Vorgänger. Er beklagt Überkapazitäten, erhebliche Ineffizienzen, völlig überzogene Erwartungen. Forster, daran gibt es keinen Zweifel, hat derzeit den schwersten und heikelsten Job in der deutschen Autoindustrie.

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