Wirtschaft : Opel stürzt noch tiefer in die roten Zahlen

Verlust in 2003 fast verdoppelt/Der neue Astra kommt im März und soll die Wende bringen

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Frankfurt (Main)/Berlin (ro/alf). Opel hat auch 2003 die Dauerkrise nicht überwinden können. Mit 384 Millionen Euro fiel der Betriebsverlust rund 70 Prozent höher aus als im Jahr zuvor, als das Minus 227 Millionen Euro betrug. Dabei gab es im zweiten Halbjahr offenbar einen dramatischen Einbruch, denn Mitte des Jahres hatte die General MotorsTochter noch positive Zahlen gemeldet.

Nach Ansicht von Vorstandschef Carl-Peter Forster ist das Ergebnis nur bedingt aussagekräftig, weil es nicht den Erfolg der Marke Opel in Europa widerspiegele. Deshalb wird das Unternehmen künftig keine Ergebnis-Zahlen für Deutschland vorlegen, sondern nur noch über das Geschäft mit der Marke Opel in Europa berichten, kündigte Forster am Freitag bei der Vorlage der Bilanz für 2003 an. Das wird dann im Wesentlichen das Geschäft der Opel-Mutter General Motors (GM) in Europa wiedergeben.

Für GM Europa erwartet Forster mindestens ein ausgeglichenes Ergebnis, möglicherweise aber auch einen Überschuss von bis zu 100 Millionen Dollar. Wie hoch daran der Anteil von Opel sein könnte, ließ Forster offen. 2003 hatte GM in Europa einen Verlust von 286 Millionen Dollar eingefahren.

Ob dieses Jahr ein Gewinn erreicht wird, hängt vom Erfolg des neuen Astra ab. Der Hauptkonkurrent des VW-Golf kommt im März auf den Markt und wird mit „Kampfpreisen“ vermarktet, wie der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer auf Anfrage sagte. Der Astra ist knapp 2000 Dollar billiger als der Golf. „Wenn der Konsum kommt, dann kommt auch der Astra“, beschrieb Dudenhöffer den Zusammenhang von Konjunktur und Autoabsatz. Vom Astra will Opel in diesem Jahr zwischen 200000 und 300000 Einheiten verkaufen.

Nicht besonders gut verkauft sich der Vectra. Dudenhöffer bescheinigte dem Mittelklassewagen einen „überschaubaren Erfolg“. Wegen des schleppenden Absatzes hatte Opel vergangenen Herbst im Stammwerk Rüsselsheim, wo der Vectra gebaut wird, die Arbeitszeit bei einem teilweisen Lohnausgleich deutlich gekürzt. Forster zufolge ist das Vectra-Marktsegment, zu dem auch der VW Passat und der Ford Mondeo gehören, in den letzten fünf Jahren in Deutschland um ein Fünftel geschrumpft.

Der Umsatz von Opel sank im vergangenen Jahr um gut sechs Prozent auf 13,9 Milliarden Euro. Opel litt vor allem durch Wechselkursverluste im dreistelligen Millionenbereich. Dagegen profitierte das Unternehmen von einer um fünf Prozent verbesserten Produktivität und einer höheren Qualität. Die Gewährleistungsfälle seien um 24 Prozent zurückgegangen. Zudem habe man seit 2001 die Aufwendungen um 1,8 Milliarden Euro reduzieren können, sagte Forster. Eine Milliarde davon sei in Produktverbesserungen investiert worden.

Nachdem bereits im Rahmen des Sanierungsprogramms Olympia 2500 Stellen abgebaut wurden, werden über Vorruhestand in diesem und im nächsten Jahr weitere 1600 Arbeitsplätze gestrichen. Ende 2003 beschäftigte Opel in Deutschland knapp 32300 Mitarbeiter, rund 1800 weniger als 2002. Insgesamt wurden 2003 in Europa 1,567 Millionen Opel zugelassen, rund 7500 Fahrzeuge mehr als ein Jahr zuvor. Der Marktanteil lag bei 8,8 Prozent, in Deutschland bei 10,3 Prozent.

Trotz des stark gestiegenen Verlustes, zeigte sich Vorstandschef Forster mit dem Ergebnis nicht unzufrieden. Nach Angaben des Managers und auch des Betriebsrates ist die Bilanz von Opel zwar richtig, trotzdem gebe sie den Erfolg nicht richtig wider. „Die Erträge ausländischer Werke wie auch Gewinne der ausländischen Importgesellschaften gehen nicht in die Bilanz der Adam Opel AG ein“, sagte Forster.

Während Forster nur noch die Zahlen von General Motors Europe und damit für die Marken Opel, Vauxhall und Saab veröffentlichen will, fordert der Betriebsrat die Bündelung aller Geschäfte mit der Marke Opel unter dem Dach der Adam Opel AG. Er plädiert auch für den Export von Opel-Fahrzeugen über Europa hinaus und für den Bau des geplanten Oberklasse-Modells Insignia in Rüsselsheim. Für den Insignia plädiert auch Autofachmann Dudenhöffer. „Das obere Segment hat Opel zu lange vernachlässigt.“

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