Opel-Verhandlungen : GM: Mutter zeigt Stärke

Nach ergebnislosen Gesprächen zwischen der Bundesregierung und GM-Vertretern wird weiter über die Zukunft von Opel spekuliert. Dabei gerät die Bundesregierung zunehmend in die Kritik. GM tritt selbstbewusst auf.

Henrik Mortsiefer

Berlin - Nach ergebnislosen Gesprächen zwischen der Bundesregierung und GM- Vertretern wird weiter über die Zukunft von Opel spekuliert. Dabei gerät die Bundesregierung zunehmend in die Kritik. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn sagte, das Verhalten der Regierung sei „eine Einladung zum Zocken, Abwarten, Verhandeln und Verzögern“. FDP-Chef Guido Westerwelle nannte es einen schweren Fehler, sich auf einen Investor festzulegen. Auch EU-Industriekommissar Günter Verheugen forderte die Bundesregierung zu größerer Zurückhaltung auf. Die Verantwortung für die Zukunft der europäischen GM-Unternehmen liege immer noch beim Eigentümer und könne nicht ersetzt werden durch das „Handeln einer Regierung“, sagte Verheugen in einem Zeitungsinterview. Es sei zudem „riskant, wenn so komplexe Unternehmensentscheidungen in die Zwänge eines Wahlkampfs geraten“.

Laut Bundeswirtschaftsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU) arbeiten die Regierung und GM weiter am Einstieg eines Investors. Der Verbleib von Opel bei GM gilt in Berlin als unwahrscheinlich. Zu den vier möglichen Zukunftsszenarien – Verkauf an Magna, Verkauf an RHJ, Verbleib bei GM oder Insolvenz – kam am Mittwoch ein fünftes hinzu. Einem Zeitungsbericht zufolge könnte auch Fiat wieder in das Rennen um Opel einsteigen. Der italienische Autobauer prüfe einen neuen Anlauf, für das Europageschäft von GM zu bieten, berichtete die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ unter Berufung auf Unternehmenskreise. Fiat hatte sich im Frühjahr aus dem Opel-Poker zurückgezogen. Experten halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass GM einem Verkauf an Fiat zustimmen würde. Nach der Chrysler-Übernahme sind die Italiener direkter Wettbewerber von GM auf dem US-Markt.

Die GM-Vertreter geben sich in den Verhandlungen mit der Regierung offenbar deutlich selbstbewusster. Während des Insolvenzverfahrens sei der Verhandlungsprozess „gegen das GM-Management und gegen die GM-Kultur“ abgelaufen, glaubt Christoph Stürmer, Autoexperte beim Beratungsunternehmen Global Insight. „Da ist enorm viel Geschirr zerschlagen worden.“ Nun demonstriere der US-Konzern nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens Stärke. „GM lässt nicht mit sich spaßen“, sagte Stürmer. Der Verwaltungsrat des Autokonzerns prüfe, ob GM sich Opel leisten und auf einen Verkauf verzichten könne – und inwieweit die deutsche Regierung bereit sei, dem alten Opel-Eigentümer entgegenzukommen. Freilich müsse auch GM Zusagen machen. „GM müsste versprechen, dass weniger Stellen in Deutschland abgebaut werden und dass Liquiditätshilfen sofort zurückgezahlt und keine staatlichen Bürgschaften in Anspruch genommen werden“, sagte der Experte. Denkbar sei auch, dass GM eine Beteiligung europäischer Staaten an einer einheitlichen Opel-Europa-Gesellschaft akzeptieren müsste. Ob angesichts dieses Szenarios eine Lösung für Opel vor der Bundestagswahl gefunden wird, ist allerdings ungewiss. „Die Wahrscheinlichkeit ist jetzt geringer als je zuvor“, sagte Stürmer.

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