Wirtschaft : Opel will Cabrio in Polen bauen

Das Werk in Bochum geht offenbar leer aus

Carsten Herz (HB)
Aus für Antwerpen.
Aus für Antwerpen.Foto: REUTERS

Frankfurt am Main - Der Autohersteller Opel lässt sein neues Astra Cabrio voraussichtlich nicht in Deutschland fertigen. Nach Informationen aus Konzernkreisen zeichnet sich ab, dass das polnische Werk Gliwice den Zuschlag für die Fertigung bekommt. Bochum geht damit leer aus und muss weiter um eine zweite Modellreihe kämpfen, die für eine bessere Auslastung des Werks wichtig wäre. Noch hat der Vorstand allerdings nicht entschieden. Ein Opel-Sprecher wollte die Informationen nicht bestätigen.

Der neue Astra Cabrio soll 2013 auf den Markt kommen und wird vom Zulieferer Magna entwickelt. Das alte Modell war im Werk Antwerpen gebaut worden, dessen Tore der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) vergangene Woche endgültig schloss. Bochum kann sich aber laut Konzernkreisen noch Hoffnungen machen, einen Teil der nächsten Generation des Geländewagens Antara zu produzieren, der erstmals auch in Europa gebaut werden soll. Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel sieht die Zukunft des Werks ohne eine zweite Modellreihe gefährdet. Bisher hat Bochum nur den Zuschlag für die Produktion des nächstes Jahr neu startenden Vans Zafira.

Opel-Boss Nick Reilly treibt damit die Neuordnung der Produktion voran. Im Sommer hatte er entschieden, den geplanten Kleinstwagen Junior in Eisenach zu bauen. In Verhandlungen mit den Arbeitnehmern hat er sich auf die Einführung mehrerer neuer Produkte verständigt. Neben dem Cabrio sind demnach auch eine überarbeitete Version der Limousine Insignia, der Junior und ein Nachfolger des Kastenwagens Combo fest eingeplant, der vom Konkurrenten Fiat gebaut wird.

Im internen Modellplan vorgesehen ist darüber hinaus laut Konzernkreisen auch ein Nachfolger für das eingestellte Coupé Calibra, das sich optisch an der bereits enthüllten Studie GTC Concept orientieren wird. Auf die Produktion des Wagens, der auf der Insignia-Plattform stehen wird, macht sich vor allem das Rüsselsheimer Stammwerk Hoffnung.

Das polnische Werk Gliwice gilt als eines der produktivsten von GM in Europa und ist dank der geringeren Lohnkosten deutlich günstiger in der Fertigung als die deutschen Werke. Gliwice ist bereits Standort für Zafira und Astra. Die Cabriovariante des Golf-Rivalen soll nach internen Plänen statt des aufwendigen, dreiteiligen Blechdachs wieder eine Stoffhaube erhalten, erfuhr das „Handelsblatt“ aus Konzernkreisen.

Opel ist die größte Baustelle des US- Konzerns General Motors, der gerade die Rückkehr an die Börse geschafft hat. Der Verlust der Rüsselsheimer wird sich nach Schätzung des Managements 2010 auf insgesamt 1,4 Milliarden Euro summieren, wovon etwa eine Milliarde auf die Sanierung entfällt. Auch im kommenden Jahr werden Sonderaufwendungen für Abfindungen im Zuge des umfangreichen Arbeitsplatzabbaus das Ergebnis massiv belasten. Carsten Herz (HB)

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