Wirtschaft : Opel will länger arbeiten und weniger zahlen

Vorstand verlangt von den Arbeitnehmern harte Schnitte bei Löhnen und Arbeitszeit /Nullrunde für VW-Führung

Alfons Frese/Rolf Obertreis

Frankfurt am Main/Berlin - Der Vorstand von Opel will die Arbeitnehmer auf einen harten Sparkurs bringen. Unter anderem soll es einige Jahre lang keine Tariferhöhung geben, und die Arbeitszeit im Werk Bochum könnte von 35 auf 40 Stunden erhöht werden. Opel versucht sei Jahren vergeblich, aus den roten Zahlen zu kommen. Der VW-Konzern kündigte unterdessen an, die Vorstandsmitglieder würden sich „selbstverständlich“ an einer Nullrunde beteiligen, wie sie das Unternehmen für die kommenden zwei Jahre von den Beschäftigten fordert.

Bereits vor Wochen hatte Konzernchef Bernd Pischetsrieder gesagt, der Vorstand bekomme in diesem Jahr rund ein Viertel weniger variable Bezüge als vor einem Jahr. Die IG Metall reagierte auf die Verzichtserklärung aus der VW-Zentrale mit dem Hinweis, „Nullrunden oben sind nicht das Gleiche wie Nullrunden unten“. Für die Beschäftigten komme ein Verzicht auf Einkommenserhöhungen „nicht in Frage“, sagte der Verhandlungsführer der IG Metall, Hartmut Meine. Anfang der Woche hatte VW-Personalchef Peter Hartz erklärt, in den kommenden zwei Jahren gebe es keinen Spielraum für Tariferhöhungen. Im Übrigen will VW bis zum Jahr 2011 die Arbeitskosten in den sechs westdeutschen Werken mit gut 103000 Beschäftigten um rund 30 Prozent reduzieren.

Auch bei Opel droht den 32000 Arbeitnehmern Lohneinbußen: Keine Weitergabe von Tariferhöhungen bis 2009, eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich, die Streichung von Zuschlägen und Reduzierung des Weihnachtsgeldes. Der neue Opel-Chef Hans Demant hat in den seit Anfang der Woche laufenden Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen „Zukunftsvertrag“ mittlerweile detaillierte Forderungen auf den Tisch gelegt. Danach soll es keine Beschäftigungsgarantie mehr geben. Der Betriebsrat dagegen verlangt eine Jobgarantie bis 2010, die Sicherung bestehender Einkommen und der Tarifverträge sowie feste Kapazitätszusagen für die einzelnen Standorte.

Erst vor zehn Monaten hatten sich Opel-Spitze und Betriebsrat auf die Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 30 Stunden bei einem teilweisen Lohnausgleich im Stammwerk Rüsselsheim geeinigt. Die Regelung für rund 3500 Mitarbeiter hat begrenzte Wirkung. Jetzt stehen auch die Beschäftigten vor allem im Opel-Werk Bochum (7600 Arbeitnehmer) vor Belastungen. Ob auch das thüringische Eisenach, wo der Kleinwagen Corsa gebaut wird, und das Motorenwerk in Kaiserslautern betroffen sein werden, ist offen. In Eisenach liegen die Kosten deutlich unter westdeutschem Niveau, und Kaiserslautern gehört zur General Motors Powertrain, einem Gemeinschaftsunternehmen von GM und Fiat.

Die Liste mit den Kürzungsplänen, die aus unbekannter Quelle per Flugblatt an die Beschäftigten verteilt wurde, ist lang, der Zündstoff in den seit Dienstag laufenden Gesprächen zwischen Demant, Personal-Vorstand Norbert Küppers und Betriebsratschef Klaus Franz beträchtlich. Opel schreibt seit fünf Jahren rote Zahlen und wird auch in diesem Jahr kaum auf einen grünen Zweig kommen. Bis spätestens Ende Oktober wollen beide Seiten eine Vereinbarung unterzeichnen.

Der frühere Opel-Chef Carl-Peter Forster, seit Anfang Juli Vize-Präsident von GM Europa in Zürich, hatte die Linie Mitte Juli vorgegeben. Die GM-Werke in Europa müssten um einen zweistelligen Prozentsatz effizienter arbeiten. Vor allem bei Opel und dort im Stammwerk gebe es Nachholbedarf. „Rüsselsheim ist nicht wettbewerbsfähig“, sagt Forster. Da die Nachfrage nach den Modellen Vectra und Signum schwach ist, liegt die Kapazitätsauslastung nach Berechnungen des Gelsenkirchener Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer bei unter 60 Prozent. Dagegen wird in Bochum derzeit über die Verlängerung der Arbeitszeit von 35 auf 38 verhandelt, weil sich die dort produzierten Astra und Zafira gut verkaufen. Dudenhöffer vermutet, dass Opel in Bochum sogar Richtung 40-Stunden-Woche will.

Obwohl die Positionen noch weit auseinander liegen, wird in Rüsselsheim Optimismus verbreitet. Es werde eine gütliche Einigung geben, sagte ein Manager. Zwar steht die Drohung einer Verlagerung von Produktionsbereichen vor allem nach Polen im Raum. Andererseits verfügt Opel in Rüsselsheim über das modernste Automobilwerk Europas, für das Opel rund 700 Millionen Euro ausgegeben hat. Dudenhöffer zufolge könnte aber auch ein Teil der Saab-Produktion von Schweden nach Rüsselsheim verlegt werden.

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