OPEL : Zu viele Spieler am Pokertisch

Im Opel-Drama ist der Vorhang noch nicht gefallen. Mehr als zwölf Monate nach dem ersten Hilferuf aus Rüsselsheim („Opel braucht Staatshilfe“) ist die Zukunft der Traditionsmarke weiter ungewiss. Dabei sah es in diesem Jahr so oft nach einer Rettung des Autoherstellers aus. Und an vermeintlichen Rettern mangelte es auch nicht. Der Eigentümer, General Motors (GM), ist zwar der alte geblieben. Mit 50 Milliarden Dollar US- Steuergeld vor dem Zusammenbruch gerettet, hat GM aber eine Frage noch nicht beantwortet: Kann auch die Tochter Opel mit 50 000 Beschäftigten in Europa überleben, und – wenn ja – müssen die europäischen Steuerzahler einspringen?

Ein Grund für die Hängepartie ist das ständige Kommen und Gehen der Entscheidungsträger. Die Bundesregierung, die Investoren, der GM-Verwaltungsrat, das Top-Management des Detroiter Autokonzerns – alle wurden 2009 abgewählt, ausgetauscht oder rausgeworfen. Bis zum Morgengrauen vor dem Kanzleramt am 30. Mai schienen die Fronten noch klar. Angela Merkel (CDU), Frank-Walter Steinmeier (SPD) sowie Unterhändler von GM und der US-Regierung unterstützten den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und seine russischen Partner. Fiat, der Finanzinvestor RHJ, die Chinesen hatten scheinbar keine Chance mehr. Ein 1,5-Milliarden- Euro-Überbrückungskredit untermauerte die „Rettung in letzter Minute“ – die, wie sich später herausstellte, keine Rettung für Opel war, sondern bestenfalls eine für Angela Merkel. Bis zur Bundestagswahl am 27. September musste der Kompromiss halten. Doch der Sommer brachte neue Turbulenzen, neue Unsicherheit. Im Zuge der GM- Insolvenz wurde der mächtige Verwaltungsrat des Konzerns neu besetzt. Bund und Länder drängten GM und Magna weiter zu einer Unterschrift unter den 1000- Seiten-Vertrag. Heute ist er Altpapier. Im August wird klar: Die Politik hat sich für das überzeugende Magna-Konzept entschieden, die frühzeitige Festlegung war aber ein Fehler. Im Herbst überschlagen sich die Ereignisse. Nicht nur die EU hegt Zweifel an der Staatshilfe für Opel, auch in Detroit bahnt sich ein Strategiewechsel an. Am 3. November platzt die Bombe: GM will Opel selbst sanieren. 3,3 Milliarden Euro soll es kosten – der Beitrag der Steuerzahler wird 2010 ausgehandelt. Womöglich wieder im Kanzleramt. mot

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