Open Data : Berlin hebt seinen Datenschatz

Die Technologiestiftung hat untersucht, wie die Hauptstadt von Open Data profitieren kann.

von und Michel Penke
Seit Oktober 2013 werden die amtlichen Kartenwerke des Landes Berlin und die sonstigen Geodaten der Abteilung Geoinformation sukzessive kostenfrei über Geodienste zur Verfügung gestellt.
Seit Oktober 2013 werden die amtlichen Kartenwerke des Landes Berlin und die sonstigen Geodaten der Abteilung Geoinformation...Foto: dpa

Berlin hat einen großen Schatz: Das sind die Daten, die die öffentliche Verwaltung sammelt. Sie reichen von geografischen Informationen über soziale und Gesundheitsdaten bis hin zu Verkehrs- oder Klimadaten. Die Daten brauchen die Behörden, um ihre Arbeit zu machen oder sie fallen einfach bei der Arbeit an. Die Stadt hat bereits vor Jahren entschieden, diese Daten öffentlich zugänglich zu machen (Open Data) – zur besseren Information der Bürger, aber auch für Unternehmen, die diese Daten nutzen, um daraus neue Anwendungen und Produkte zu machen. Im Sommer hatte das Internetportal daten.berlin.de den Regelbetrieb aufgenommen.

Neelie Kroes: Daten sind das Gold des digitalen Zeitalters

EU-Kommissarin Neelie Kroes hat Daten einmal als das Gold des digitalen Zeitalters bezeichnet. Die Technologiestiftung Berlin hat jetzt eine Studie vorgelegt, die den volkswirtschaftlichen Nutzen von Open Data näher beziffern soll. Dabei wurden nicht nur der wirtschaftliche Nutzen – wie Umsatz, Gewinn, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen – öffentlich zugänglicher Daten berücksichtigt, sondern auch schwerer messbare Kategorien wie Transparenz und Teilhabe. Ergebnis: Die Stadt kann durch die Bereitstellung der Daten in den kommenden Jahren einen Nutzen zwischen 22 Millionen und 54 Millionen Euro erzielen, je nachdem wie sich verschiedene Faktoren entwickeln. Nimmt man ein mittleres Szenario an, sind es 32 Millionen Euro. Dem stehen laufende Kosten von 120 000 Euro für den Betrieb der Plattform gegenüber, auf der bereits rund 300 Datensätze zur Verfügung stehen.

Ein Werkzeug für die Bürger

Ein Beispiel: Die Hamburger Firma OpenDataCity und Andrej Holm von der Humboldt-Universität haben anhand der Daten von Berliner Ämtern und der Internetseite Immobilienscout24 die Gentrifizierung der Hauptstadt untersucht. Auf der Gentrimap werden unter gentrima.lepus.uberspace.de die Migration innerhalb Berlins, Mietpreise und Einkommensverteilung dargestellt. „Wir wollten den Bürgern ein Werkzeug an die Hand geben, um die Gentrifizierung ihrer Stadt zu beobachten“, sagt Andrej Holm.

Daten können für Chancengleichheit sorgen

Nutzer sollen in Kürze eingeladen werden, sich an dem Projekt zu beteiligen und beispielsweise „Latte Macchiato Cafés“ auf der Karte einzutragen. Die Verbreitung dieser Cafés zeige an, wie sehr sich das soziale Bild der Stadt wandelt. Gerade die Teuerung in den Szenevierteln könne damit wissenschaftlich unterfüttert werden, sagt Holm. In einer späteren Phase des Projektes sollen Prognosen für die zukünftige Stadtentwicklung visualisiert werden. Die Gefahr, die Spekulation in attraktiven Bezirken durch die Daten weiter anzuheizen, sieht Holm jedoch nicht. „Diejenigen, die mit Immobilien spekulieren, haben bessere Methoden Entwicklungen zu prognostizieren. Wir wollen mit der Karte Chancengleichheit zwischen Spekulanten und Bürgern herstellen“, sagt Holm.

Entwickler sind eingeladen, neue Anwendungen zu bauen

Zum Open Data Day am 22. Februar lädt die Open Knowledge Foundation Entwickler ein, gemeinsam neue Anwendungen zu entwickeln (de.opendataday.org).

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