Operation Global Blackout : Ausgefallene Anonymous-Attacke kein Grund zur Entwarnung

Das Internet ist trotz Anonymous-Warnung nicht ausgefallen. Dennoch bleibt sie bei den Wächtern des Netzes nicht ohne Wirkung.

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Undurchschaubar. Selbst Mitglieder wissen nicht, wann Anonymous zuschlägt.
Undurchschaubar. Selbst Mitglieder wissen nicht, wann Anonymous zuschlägt.Foto: dpa

Berlin - Der Termin ist verstrichen, ohne dass etwas Nennenswertes passiert wäre. Für Sonnabend hatte das Hackernetzwerk Anonymous angekündigt, die 13 zentralen sogenannten DNS-Server (von „Domain Name System“) des Internets so stark mit Anfragen zu bombardieren, dass sie zusammenbrechen (wir berichteten). Das Ergebnis wäre ein nicht funktionsfähiges Internet, die wirtschaftlichen Folgen kaum absehbar gewesen. „Wir haben keine erhöhten Anfragen feststellen können und auch von den Betreibern der Root-Server nichts in dieser Richtung gehört“, sagt Stefanie Welters von Denic in Frankfurt am Main. Die Denic verwaltet in Deutschland die .de-Adressen. Auch bei De-Cix, dem weltweit größten Internet-Knotenpunkt, gab es keinerlei Auffälligkeiten.

Warnungen von Anonymous sind nicht selten. Doch nur selten sind sie im Vorfeld überprüfbar, weil es sich um ein dezentrales Netz von Hackern handelt, die mit ihren Aktionen gegen Kapitalismus, Globalisierung, Datenschutzbeschränkungen und Ähnliches protestieren. Da es keine festen Strukturen gibt, wissen die Mitglieder oft selbst nicht, ob Aktionen von einem der ihren angekündigt werden oder das Werk von Trittbrettfahrern sind. Die Unwägbarkeiten machen es auch Fachleuten schwer, die Gefahrenlage verlässlich einzuschätzen. „In der Regel greift Anonymous Unternehmen oder Institutionen und nicht das Internet selbst an“, weiß Welters. Dennoch könne die Ankündigung authentisch gewesen sein. „Manchmal will man damit ja auch auf Schwachstellen aufmerksam machen.“ In diesem Fall auf die Struktur des Netzes.

Dass die Verantwortlichen verhältnismäßig gelassen auf Drohungen reagieren, heißt nicht, dass sie nicht handeln. Die „New York Times“ berichtet von einem regelrechten Wettrüsten zwischen potenziellen Angreifern und Verteidigern. In den Wochen vor dem 31. März seien riesige Router und hunderte Server um die ganze Welt geschickt worden, um das Domain Name System auszubauen und somit besser gegen eine Attacke zu schützen. Fachleute halten es durchaus für möglich, dass das Internet mit konzertierten Aktionen, ähnlich der von Anonymous angekündigten, massiv gestört werden kann. „Das Internet ist vor über 30 Jahren als kleines Netzwerk zu militärischen Zwecken konzipiert worden“, erinnert Sebastian Schreiber, der mit seiner Firma Syss Hackerangriffe auf Firmennetze simuliert. „Das Internet ist nicht robust.“ Der „New York Times“ gegenüber empfahl der DNS-Sicherheitsspezialist Dan Kaminsky, keine Warnung unbeachtet zu lassen. „Du musst immer auf das Schlimmste gefasst sein.“

Wie zum Beleg dieser Aussage wurde am Wochenende bekannt, dass Hacker bei einem Einbruch in die Computersysteme des US-Zahlungsdienstleisters Global Payments rund 1,5 Millionen Kredikartennummern erbeuteten. Visa und Mastercard forderten ihre Kunden auf, ihre Abrechnungen genau zu prüfen und verdächtige Transaktionen zu melden. Deutsche Kreditkarteninhaber sind nach Angaben von Global Payments nicht betroffen. Simon Frost

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