Wirtschaft : Opernkarten

Warum der Eintritt trotz Subventionen so teuer ist

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PREIS DER WOCHE

Von Susanne Herr

Neulich an der Opernkasse: Für die besten Karten bei der Premiere von „L’Elisir d’Amore“ in der Staatsoper Unter den Linden mussten Opernfans satte 120 Euro bezahlen. Vor zwei Jahren kosteten Premieren mit 102,26 Euro noch knapp 15 Prozent weniger. Wollen sich die Berliner Opern jetzt etwa über Preissteigerungen bei den Eintrittskarten sanieren?

Wohl kaum. Die Opernkarten sind im Grunde noch zu billig. Durchschnittlich erwirtschaften die öffentlichen Theater nach Angaben des Deutschen Bühnenvereins nur 16 Prozent ihres Etats über den Kartenverkauf. Und das, obwohl sich die Zahl der Besucher in der Spielzeit 2000/2001 in Deutschland um 500 000 auf 35,5 Millionen Zuschauer erhöht hat. Der Rest finanziert sich über Subventionen und private Zuschüsse. Pro Opernkarte erhielten zum Beispiel die Berliner Häuser in den Jahren 2000/2001 einen Zuschuss von etwa 160 Euro vom Land Berlin. Die Operngänger selbst zahlen zwar bis zu 120 Euro für die besten Plätze und Premieren, gleichzeitig gibt es aber auch schon Tickets für fünf Euro (Staatsoper).

„Viele Theater könnten durchaus höhere Preise verlangen“, meint Claudia Hampe, betriebswirtschaftliche Referentin beim Deutschen Bühnenverein. Sie dürften das aber nicht, weil sie einen öffentlichen Auftrag erfüllen müssten. „Bei der Festlegung der einzelnen Preisgruppen orientieren wir uns nach unten, so dass wir unserem Publikum auch ein breites Angebot an günstigen Karten machen können“, bestätigt Marc Chahin, Pressesprecher der Komischen Oper Berlin. „In unserem jährlichen Wirtschaftsplan gibt es einen Ansatz für Erlöse aus Kartenverkäufen, der mit dem Berliner Senat abgestimmt wird.“ Die Gesamtsumme dieser Erlöse ergebe sich aus der Anzahl der jährlichen Vorstellungen und einer realistischen Platzauslastung. Zusammen mit den Subventionen sollte diese Gesamtsumme sämtliche Kosten decken: Regelmäßig fallen Miet- und Pachtkosten, Materialkosten und Kosten für Tantiemen an. „Opern sind aber vor allem personalintensiv“, erklärt Hampe. „85 Prozent der Kosten entstehen durch künstlerisches, technisches und Verwaltungspersonal.“

Danach richten sich auch die Preise der unterschiedlichen Vorstellungen. So kostet ein Ballettabend mit Orchester in der Komischen Oper mehr (acht bis 62 Euro) als ein Ballettabend ohne Orchester (acht bis 35 Euro). Außerdem diktiert die Attraktivität den Preis: Opernkarten für die besten Plätze sind aus diesem Grund am teuersten (Staatsoper: jeweils 40 bis 120 Euro). Zum anderen muss der Opernfan an Premierenabenden deshalb für jeden Sitzplatz mehr hinlegen (Staatsoper: 16 bis 120 Euro) als an anderen Spieltagen. Foto: Zenit/Langrock

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