Wirtschaft : Opfer im Zweikampf mit Google: Yahoo-Chef Semel tritt zurück

Berlin - Der Internet-Konzern Yahoo zieht aus seiner andauernden Schwäche im Konkurrenzkampf mit Google Konsequenzen: Konzernchef Terry Semel (64) tritt nach sechs Jahren zurück und wird von Mitgründer Jerry Yang (38) abgelöst. Semels Ruf ist legendär – zumindest in Hollywood. In seinem langjährigen Job als Chef des Filmstudios Warner Bros. hat sich Semel in das Gedächtnis vieler Medienkenner eingebrannt. Im Silicon Valley dagegen hat sein Image gelitten. Es ist vor allem die fehlende Strategie, der Mangel an visionärer Kraft, die Semel vorgeworfen wird. Zwar war er der Richtige, als es 2001 darum ging, den schlingernden Internetstar Yahoo auf Kurs und in die Gewinnzone zu bringen. Doch nun sind offenbar andere Qualitäten gefragt.

„Do you Yahoo?“ Jerry Yang, der neue alte Chef des Internetpioniers aus Sunnyvale steht vor einer fast unlösbaren Aufgabe. Er muss Yahoo wieder an die Spitze bringen, da wo der Erzrivale Google jetzt ist – beim Aktienkurs, bei der Internetsuche, in der öffentlichen Meinung und bald auch in der Werbevermarktung. Nur bei E-Mails, der wichtigsten persönlichen Anwendung der Internetnutzer, ist Yahoo noch Marktführer.

Kaum etwas illustriert die Probleme eindrucksvoller als die Websuche. Im April hatte Yahoo laut Nielsen Netratings einen Marktanteil von 21,9 Prozent im Suchmarkt, ein Plus von 28 Prozent zum Vorjahr. Im gleichen Zeitraum fuhr Google ein Plus von 42 Prozent ein und erreichte 55 Prozent Marktanteil. Hinzu kommt: Google kann seine Überlegenheit immer besser in finanzielle Erträge ummünzen. Im ersten Quartal 2007 lag der Nettogewinn des Konzerns mit einer Milliarde Dollar höher als der gesamte Gewinn von Yahoo im Jahr 2006. Seit Anfang 2006 ist die Yahoo-Aktie gut 30 Prozent abgesackt, erst der Führungswechsel ließ den Kurs wieder um knapp sechs Prozent anziehen. Die Google-Aktie dagegen klettert von einem Kursrekord zum nächsten.

Quasi als letzte Amtshandlung musste Semel nun verkünden, dass der Umsatz im laufenden Quartal in der unteren Hälfte des Zielkorridors von 1,2 bis 1,3 Milliarden Dollar liegen werde. dpa/HB

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