Wirtschaft : Oracle und Peoplesoft jagen jetzt SAP

US-Konzerne beenden Übernahmekampf und werden weltweit Nummer zwei

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Berlin Der amerikanische Softwarekonzern Oracle kauft den Konkurrenten Peoplesoft nach einer 18-monatigen Übernahmeschlacht für umgerechnet 7,8 Milliarden Euro. Dies gab Oracle am Montag bekannt. Die Verwaltungsräte beider Gesellschaften billigten die Übernahme bereits, die Anfang Januar 2005 vollzogen werden soll. Die Börse feierte die Nachricht mit kräftig steigenden Aktienkursen der beteiligten Konzerne. Auch SAP-Aktien verteuerten sich.

In der spektakulären Auseinandersetzung konnte der charismatische Oracle-Chef Larry Ellison mit zahlreichen Klagen verbundenen Widerstand der Peoplesoft-Konzernführung unter Craig Conway brechen, indem er die Peoplesoft-Aktionäre mit einem verbesserten Angebot köderte. Zunächst hatte Multimilliardär Ellison versucht, Peoplesoft feindlich zu übernehmen. Ex-Oracle-Manager Conway hatte daraufhin die Sorge geäußert, Oracle wolle nur die Peoplesoft-Kunden und sei an der Software nicht interessiert. Der Übernahmekampf entwickelte sich so zu einem öffentlich ausgetragenen Schlagabtausch der beiden Manager.

Oracles bisherige Offerte hatte 9,2 Milliarden Dollar oder 24 Dollar je Aktie betragen. Nun zahlt der Konzern 26,50 Dollar oder 10,3 Milliarden Dollar. Ein Drittel der Peoplesoft-Aktien wurden Oracle bereits angeboten, der Verwaltungsrat des Unternehmens empfahl nun auch den restlichen Aktionären, Ellisons Angebot anzunehmen. Die gegenseitigen Klagen seien ausgesetzt worden, erklärte Peoplesoft. „Dieser Zusammenschluss gibt Oracle noch mehr Masse und Bewegung“, sagte Ellison. Oracle werde mehr Kunden haben und könne mehr in die Entwicklung von Anwendungs-Software investieren. Oracle macht 80 Prozent seines Umsatzes mit dem Datenbanken-Geschäft.

Der deutsche Softwarekonzern SAP, weltweit Marktführer bei Unternehmens-Software, reagierte selbstbewusst auf den Zusammenschluss: „Unsere Nummer-eEns-Position ist nicht gefährdet“, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel. SAP definiert seinen Marktanteil innerhalb der weltweit größten fünf Wettbewerber mit 56 Prozent, auf dem stark fragmentierten Gesamtmarkt seien es rund 18 Prozent. Oracle und Peoplesoft kommen unter den Top5 auf einen addierten Marktanteil von 23 Prozent. „Die Unsicherheit bei den Peoplesoft-Kunden, die schon in den vergangenen 18 Monaten für uns ein Vorteil war, wird bleiben“, sagte der SAP-Sprecher. SAP könne sich künftig auf einen Wettbewerber konzentrieren, müsse aber „bei den Innovationen immer eine Nasenlänge voraus sein“. Hier sei die Konkurrenz asiatischer Anbieter aber genauso relevant wie die des neuen US-Konkurrenten.

Analysten sagen allerdings voraus, dass der Walldorfer Konzern nach einer Frist von etwa einem Jahr von dem neuen US-Konzern in Zugzwang gebracht werden wird. „Oracle und Peoplesoft werden rund zwölf Monate brauchen, bis sie sich gefunden haben“, sagte Heinz Steffen, Software-Experte beim unabhängigen Analysehaus Fairesearch. „Danach wird es für SAP spannend.“ Vor allem die Entwicklung analytischer Software, die es Unternehmen erlaubt, aus großen Datenbanken maßgeschneiderte Inhalte intelligent herauszufiltern, werde für SAP zu einer „Kernaufgabe in der Entwicklung“, sagte Steffen. SAP zufolge nutzen mehr als 80 Prozent seiner Kunden Datenbanken von Oracle.

Der Konkurrent werde in der Lage sein, integrierte Systeme aus einer Hand anzubieten, glaubt Steffen. Dies reduziere für die Kunden Kosten, die durch Schnittstellen zwischen verschiedenen Software-Komponenten entstehen. mot

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