Wirtschaft : Orangina: Limonaden-Marke nach mehreren Versuchen unter der Haube

sam

Die französische Limonaden-Kultmarke Orangina ist an die britische Cadbury-Schweppes-Gruppe verkauft worden. Cadbury-Schweppes teilte am Freitag in London mit, dass es die Limonaden-Sparte der französischen Gruppe Pernod-Ricard für 700 Millionen Euro (rund 1,37 Milliarden Mark) übernahm.

Damit hat der Konzern nach jahrelangen Anbandelversuchen nun endlich einen Partner für seine Orangina gefunden. Schon 1998 wollte er die Softdrink-Marke an Coca-Cola verkaufen. Die französische Regierung untersagte die Verbindung wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken. Ein Verkauf an Coca-Cola hätte den Konkurrenten Pepsi benachteiligt, weil Orangina dessen Getränke in Frankreich vertreibt. Der Brause-Konzern aus Atlanta hätte somit den Vertrieb für Pepsi übernommen.

Ein Jahr später warb Coca-Cola erneut um Orangina. Wieder verhinderte die französische Regierung auf Anraten der Kartellbehörde die Hochzeit. Damit kamen weitere Kandidaten ins Spiel: Pepsi und Cadbury-Schweppes. Schon im Januar diesen Jahres verkündete der Pernod-Ricard-Konzern, der Vertrag mit Cadbury-Schweppes sei praktisch unterschriftsreif. Nun ist die Verbindung offiziell.

Eine Gemeinsamkeit haben die neuen Partner: Auch Cadbury-Schweppes hat mit Coca-Cola eine Enttäuschung erlebt. 1999 wollte das Unternehmen aus Atlanta die klassischen Bittergetränke-Marken kaufen. Auch in diesem Fall legten die Wettbewerbshüter ihr Veto ein. Zwar durfte der Coca-Cola-Konzern das Schweppes-Geschäft in gut 100 Ländern übernehmen, doch in Europa, Australien und Mexiko machten ihm die Kartellbehörden einen Strich durch die Rechnung.

Partnerwechsel ist Orangina gewöhnt, schließlich kam sie nur durch einen solchen auf den Markt. Im Jahr 1936 stieß der Franzose Léon Beton bei einer Handelsmesse in Marseille auf das Getränk "Naranjina". Ein spanischer Apotheker hatte es aus Orangensaft und Fruchtmus hergestellt. Beton kaufte ihm die Produktionsrechte und die Marke ab. Er benannte das Getränk in Orangina um, weil das in französischen Ohren besser klingt, und begann im damals französischen Algerien mit dem Vertrieb.

1962 wurde Algerien unabhängig, und Betons Compagnie Francaise des Produits Orangina zog vom nordafrikanischen Boufarik nach Marseille um. 1984 kaufte der Pernod-Ricard-Konzern die Gesellschaft. Nun wollte er sie wieder loswerden, um sich auf das Geschäft mit Alkoholika zu konzentrieren. Deshalb suchte das Unternehmen nach dem Scheitern des Deals mit Coca-Cola flugs nach anderen möglichen Käufern.

Der Auserkorene, Cadbury-Schweppes, kann ebenfalls eine lange Unternehmensgeschichte vorweisen: Seit 177 Jahren produziert das Unternehmen seine bitteren Getränke. Heute ist der Konzern der drittgrößte Limonaden-Anbieter der Welt. 36 000 Angestellte arbeiten bei dem Brausefabrikanten, der weltweit für Erfrischungsgetränke wie Tonic Water oder Ginger Ale bekannt ist.

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