Organisiertes Verbrechen : Deutschland im Blick chinesischer Spione

Es klingt wie aus einem John-Grisham-Krimi, ist aber längst bittere Wirklichkeit geworden. Der Ost-West-Konflikt liegt 20 Jahre hinter uns und noch immer lauern überall Spione. Besonders stark im Kommen: Gezielte Spähangriffe gegen mittelständische Unternehmen. Die Chinesen gehen dabei staubsaugerartig vor.

Spion
Wirtschaftsspione lauern überall. -Foto: Bildagentur

Frankfurt/Main Rund 20 Jahre nach dem Ende des Ost-West-Konflikts nehmen fremde Geheimdienste Deutschland offenbar wieder stärker in den Blick. Statt Politik und Militär spähen sie jetzt die deutsche Wirtschaft aus. Im Bundesinnenministerium ist von einer "wachsenden Gefährdung" die Rede, wie die "Frankfurter Rundschau" (Samstagausgabe) berichtet. Auch beim Bundesamt für Verfassungsschutz sei das Problem im Blick: "Mitte der 90er Jahre stellten wir fest, dass die Spione nach wie vor hier waren, aber ihre Arbeit hatte sich verändert", sagte Burkhard Even, Abteilungsleiter für Spionageabwehr.

Der Mittelstand in Gefahr

Dass sich die Spione für die Wirtschaft interessieren, sei nicht neu. Neu sei die "wachsende Gefährdung", so ein Sprecher des Bundesinnenministeriums und schlägt deshalb eine "Sicherheitspartnerschaft zwischen öffentlicher Hand und privater Wirtschaft" vor.

Betrug der geschätzte Schaden durch Wirtschaftsspionage im letzten Jahr laut Experten noch 20 Milliarden Euro, prognostizieren sie für 2008 eine neue Rekordmarke von 30 Milliarden Euro. Wie die Financial Times Deutschland berichtet, liegt die Dunkelziffer weit höher: Jede dritte entdeckte Straftat wird von deutschen Unternehmen nicht angezeigt, aus Angst vor Imageschäden. Bei Korruption schalten Unternehmen sogar nur in jedem zweiten Fall die Staatsanwaltschaft ein.

Non-professionals schmuggelten Daten

Vor allem haben die Spione neben internationalen Großunternehmen den deutschen Mittelstand mit geringen Sicherheitsvorkehrungen im Visier. Nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW) klaffen hier große Sicherheitslücken. Deshalb soll der Verfassungsschutz jetzt Manager auf die Gefahren für Unternehmen aufmerksam machen. Die undichten Stellen seien oft Studenten und Gastforscher - sogenannte Non-professionals. Geschmuggelt werden Daten, Formeln, Rezepte und Konstruktionszeichnungen. "Es besteht die Gefahr, dass Forschungswissen aus deutschen Einrichtungen in China auftaucht, noch bevor es in Deutschland an den Auftraggeber des Projektes übermittelt wird", sagte Even.

Die Russen suchten meist gezielt nach Informationen, die Chinesen sammelten im Bereich Wirtschaft breitflächig, wie mit dem Staubsauger, erläuterte Even. Der chinesische Geheimdienst mit fast einer Million Mitarbeitern habe genug Kräfte für die Auswertung. (sgo/ddp)

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