ORTSTERMIN : Der neunte Ton

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„Ich habe heute einen Mitarbeiter gelobt“, sagt Frank Appel auf die Frage: Was war Ihre letzte gute Tat? Der Vorstandschef der Deutschen Post spricht am Dienstagabend in Berlin vor allem über zwei Dinge: zufriedene Kunden und zufriedene Mitarbeiter. Nur wenn ein Unternehmen zufriedene Kunden habe, argumentiert Appel, könne es erfolgreich sein und dies sei nur über zufriedene Mitarbeiter zu erreichen. Es gelte „Respekt und Resultate ins Gleichgewicht“ zu bringen. Am Ende sei nur ein erfolgreiches Unternehmen in der Lage, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.

Damit ist Frank Appel beim Thema: „Interviews“ heißt eine neue Veranstaltungsreihe der Deutschen Post. Mitten in der Krise verzichtet das Unternehmen auf das sonst recht opulente Postfest. Stattdessen diskutiert der Vorstandschef nun vor rund 200 geladenen Gästen – meist Abgeordnete – mit drei Vertretern aus Kirche, Sport und Kultur über die Frage: „Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen – Mehrwert für Wirtschaft und Gesellschaft?“ Gekommen sind die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen, Uli Hoeneß, Aufsichtsratschef der FC Bayern München AG und Wurstfabrikant, sowie der Musiker Peter Maffay.

So illuster die Runde, so einig sind die Gäste mit Appel, dass nichts Schlechtes daran ist, Geld zu verdienen. „Nur wenn Profit Ausbeutung bedeutet, ist es verkehrt“, meint Maffay. Aber erst ein wirtschaftlich positives Ergebnis ermögliche es, die Ressourcen zu schaffen, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Und sei es als hochbezahlter Fußballer. „Ich sage den Spielern jeden Tag, dass sie auf der Sonnenseite stehen und auch viel abgeben müssen“, erklärt Hoeneß. Dafür gibt es Applaus. Schade, dass kein Banker mit auf dem Podium saß. An der Finanzbranche lassen die Diskutanten kein gutes Haar.

Einmal widerspricht Jepsen Postchef Appel doch recht deutlich: Der Respekt vor den Mitarbeitern sei doch noch etwas anderes als christliche Nächstenliebe, meint die Bischöfin. Auch Hoeneß’ Äußerung: „Eine junge Frau muss stolz sein dürfen, wenn sie sagt, ich bin Hausfrau“, findet auf dem Podium keine Zustimmung. Aber immerhin sitzt im Publikum genau ein Zuhörer, der klatscht.

Appel gesteht, dass er als 18-Jähriger die Welt verändern wollte. Heute sieht er seine Aufgabe so: „Ich werde dafür bezahlt, den Menschen Arbeit zu geben.“ Die Aktionäre erwähnt er nicht.

Peter Maffay, der einen Verein gegründet hat, der traumatisierten Kindern hilft, findet ein schönes Schlusswort. Entgegen der musikalischen Lehre behaupte er, die Tonleiter habe nicht acht, sondern neun Töne. „Der neunte ist der gute Ton. Er ist so wichtig, dass ohne ihn die anderen nichts sind.“ Kein Orchester, keine Gesellschaft könne ohne ihn funktionieren.

Seine gute Tat an diesem Tag war übrigens: Mit dem Bürohund Gassi gehen.

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