ORTSTERMIN : Deutschland in der Achterbahn

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Berlin – Die ersten Sätze spricht er auf Deutsch. Er klammert sich ans Podium, liest jedes Wort, jede Silbe vor. Das Intro endet mit Hans-Dietrich Genscher und einem Besuch in Halle. Philip Murphy richtet sich auf, sein Oberkörper entspannt sich, als er in seine Muttersprache wechselt – und in sein Metier: die Wirtschaft.

Der US-Botschafter, seit einem Jahr in Berlin, stand 23 Jahre lang im Dienst der Investmentbank Goldman Sachs. Er hat über die Jahre Milliarden bewegt, Millionen verdient. Rund 100 Gäste sind am Montag zur European School of Management and Technology (ESMT) gekommen, um ihm zuzuhören. Die „Open Lecture“ ist Teil einer Veranstaltungsreihe der privaten Hochschule in Kooperation mit dem Tagesspiegel.

Die unerwartet dynamische Erholung der Weltwirtschaft hebt er hervor. „Nirgendwo war der Ritt spannender als in Deutschland.“ Kritik am deutschen Exportmodell lässt sich zwischen den Zeilen lesen. „Deutschland ist der Achterbahnfahrt der globalen Nachfrage wie früher schutzlos ausgeliefert“, sagt Murphy und fügt hinzu, dass sein Land mehr von dieser Nachfrage abhaben wolle. „Die amerikanischen Exporte zu erhöhen, wird zu langfristigem, nachhaltigem Wachstum führen.“ Die deutsche Forderung nach einem zügigen Abbau der Staatsschulden stellt er nicht grundsätzlich in Frage. „Wir müssen den enormen Schuldenhaufen angehen. Er war schon vor der Krise zu groß.“ Dafür sei aber neben dem richtigen Timing starkes Wachstum die beste Lösung – und das liege in den USA etwas höher als in Deutschland.

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