ORTSTERMIN : „Die Nullen müssen weg“

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Frauen führen anders als Männer. Wenn diese These noch eines Beweises bedurft hat, erbringt ihn Monika Schulz-Strehlow, Präsidentin der Initiative FIDAR – Frauen in die Aufsichtsräte e.V. an diesem Donnerstag. Die FIDAR hat in die Bundespressekonferenz geladen, um den WOB vorzustellen, den „Women-on-Board-Index“. Er misst den Anteil von Frauen in den Führungsgremien aller an der Deutschen Börse notierten Unternehmen. Bevor sie die Ergebnisse präsentiert, bedankt sich Schulz-Strehlow noch bei dem Mann zu ihrer Rechten. Matthias Struwe habe die Studie erstellt und noch rechtzeitig ausgedruckt. Von Männern hört man so ein Lob an dieser Stelle selten. Man denke nur daran, wie Finanzminister Schäuble kürzlich seinen Pressesprecher in der Öffentlichkeit demütigte, weil der ein Papier nicht parat hatte.

Die Ergebnisse der Studie sind so erwartbar wie schlecht. Zehn Jahre nachdem die deutsche Wirtschaft sich freiwillig verpflichtet hat, den Frauenanteil zu erhöhen, sei die Bilanz „ernüchternd, wenn nicht katastrophal“, sagt Schulz-Strehlow. In den Aufsichtsräten von 160 Unternehmen beträgt der Frauenanteil im Durchschnitt zehn Prozent, in den Vorständen nur drei Prozent. Kleinere Unternehmen schneiden besser ab als große. Die Siemens AG hat es als einziger Dax-Konzern in die Top Ten geschafft. Auf dem ersten Platz steht die Gesellschaft für Konsumforschung mit einem WOB-Index (Frauenquote in Vorstand plus Aufsichtsrat) von 40 Prozent. Es folgt die Douglas AG mit 30 Prozent.

Wer jetzt denkt, Frauen könnten nur Konsum und Kosmetik, hat sich getäuscht: Platz drei hält der Motorenbauer Deutz (29 Prozent) aus Köln. Fast die Hälfte der Unternehmen teilt sich den letzten Platz, mit einem Frauenanteil von null Prozent. „Die Nullen müssen weg“, fordert Schulz-Strehlow.

Dann gibt sie das Wort an den Mann zu ihrer Linken. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Börse AG (Platz 82, WOB-Index: 2,8 Prozent) und Mitglied der Regierungskommission deutscher Corporate Governance Kodex vertritt Manfred Gentz hier die Wirtschaft. Er weist die Verantwortung von sich. Die Kinderbetreuung müsse besser werden und die Frauen bräuchten ja auch erstmal Führungserfahrung, um Chefin werden zu können. Er bittet Schulz-Strehlow um Geduld. Die Amtsperioden von Vorständen und Aufsichtsräten seien lang, sie könne nicht erwarten, dass man jetzt Verträge mit verdienten Herren aufkündige. Die Zeit werde das Problem lösen. „Wenn mir die Personalberater Vorschläge machen, stehen auf den Listen nur noch Frauen“, sagt Gentz. Er sehe sogar schon „eine gewisse Männerdiskriminierung.“

„Na und“, kontert Schulz-Strehlow. Schließlich seien jahrelang nur Männer befördert worden, „und das auch nicht immer aufgrund ihrer Qualifikation“. Ihr Verein fordere darum eine Frauenquote. Das Basta der Kanzlerin zu diesem Thema habe die Debatte nicht beendet. Das Familienministerium fördert den WOB-Index übrigens . Auch dafür hat sich FIDAR-Präsidentin zuvor extra bedankt.

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