Ortstermin : Die Theorie des Wohlfühlens

Malte Conradi besucht eine Buchvorstellung von Robert J. Shiller.

Malte Conradi

Der Redner beginnt mit einer neugierigen Frage an das Publikum. Er schiebt eine zweite hinterher. Und noch eine. Dabei war der US-Ökonom Robert J. Shiller doch als der Mann angekündigt worden, der erklärt, „wie Wirtschaft wirklich funktioniert“. So lautet jedenfalls der deutsche Untertitel seines neuesten Buches „Animal Spirits“, das er jetzt in Berlin vorgestellt hat. Geschrieben hat er es gemeinsam mit seinem Kollegen George Akerlof.

Doch Shiller ist nicht der typische Star- Ökonom, der auf alles eine Antwort kennt und glaubt, er könne seinem Publikum die ganze Welt erklären. Allzu oft zuckt der Yale-Professor auch an diesem Abend ratlos mit den Schultern, sehr zum Verdruss einiger Gäste, die offenbar auf ein paar Anlagetipps gehofft hatten. Shiller glaubt nicht, dass die Ökonomie eine perfekt funktionierende Maschine ist, die mathematischen Regeln folgt. Vielmehr sieht er irrationale – weil menschliche – Verhaltensweisen am Werk. Daher hält er auch exakte Voraussagen für unmöglich: „Stimmungen sind für das Marktgeschehen viel wichtiger als technische Neuerungen.“

Und so könnten auch Politiker der Wirtschaft ihres Landes am besten dienen, indem sie für eine positive Stimmung sorgen. Zu bewerkstelligen sei das etwa durch Konjunkturpakete. Ansonsten gelte es, die Zuversicht in der Bevölkerung zu stärken, dass Wirtschaft und Politik zum Wohle aller arbeiten. Und dann will Shiller Angela Merkel (CDU) zitieren, die nicht erst seit ihrem Treffen vor zwei Wochen in Washington eine begeisterte Anhängerin seiner Wohlfühl-Theorie sein soll. Der Satz stammt allerdings von Frank-Walter Steinmeier (SPD): „Wirtschaft muss den Menschen dienen.“

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