ORTSTERMIN : Ein Start-up anno 1865

Janina Schreiber trifft beim 150-jährigen Jubiläum der Spedition Hertling Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann

Janina Schreiber
Erst mit Pferdewägen und Kutschen, später mit Autos und Flugzeugen organisiert die Spedition Hertling seit 1865 Umzüge - wie auch den vom Rathaus Wilmersdorf.
Erst mit Pferdewägen und Kutschen, später mit Autos und Flugzeugen organisiert die Spedition Hertling seit 1865 Umzüge - wie auch...Foto: privat

Reinhard Naumann musste vor zweieinhalb Jahren seine Kisten packen. Alle Mitarbeiter im Rathaus Wilmersdorf mussten in das Gebäude in Charlottenburg umziehen. Nur gut, erinnert sich der Bezirksbürgermeister, dass er bei dem „Berg an Umzugskartons und Organisationskram“ mit der Spedition Hertling einen hilfreichen Partner an seiner Seite gehabt habe. Am Montag feiert Naumann mit beim 150-jährigen Jubiläum des Berliner Familienunternehmens.

Unternehmen mit Tradition

1865 von Emil Hertling als Materialwarenhandel aufgezogen, ist das Unternehmen ein Start-up aus der Gründerzeit. Pünktlich zum 150-jährigen Bestehen schreibt sich die Firma „Tradition in Bewegung“ auf die Flagge. Ein Kontrast, der „wunderbar auf die Entwicklung des Unternehmens hinweise“, wie Naumann betont. Dabei habe die Spedition genau das geschafft, was er vielen Start-ups von heute auch rät. Sie sei wandlungsfähig geblieben. Nur deshalb habe sie auch schwere und turbulente Zeiten in Berlin überlebt – von den beiden Weltkriegen über die Wiedervereinigung bis heute.

Ur-Ur-Enkel Erik Cock-Johnson in Geschäftsleitung tätig

Mit 150 Mitarbeitern an fünf Standorten deutschlandweit sei die Spedition für die Berliner Wirtschaft wohl auch in den kommenden Jahrzehnten relevant, sagte Naumann. Erik Cock-Johnson, der Ur-Ur-Enkel des einstigen Gründers Emil Hertling, befindet sich schon „in der Startposition“. Sein Onkel und derzeitiger Anteilseigner Helmut Hertling bleibe dem Unternehmen allerdings hoffentlich noch ein paar Jahre erhalten. Der 77-Jährige wolle seinem Neffen seine Erfahrung im Unternehmertum nicht vorenthalten. Berlin – gerade Charlottenburg – sei sowohl privat wie auch unternehmerisch wichtig für die Spedition.

Ein Start-up, das sich 150 Jahre gehalten hat

Hertlings Neffe Cock-Johnson scheint die Unternehmenstradition des Onkels verinnerlicht zu haben. Er begreife die Firmenphilosophie gerne als einen Baum: Die Wurzeln lägen in Berlin, auch der Stamm gründe sich in der Hauptstadt, nur die Äste, die streckten sich in die Welt. „Für die Spedition ist die Stadt prägend. Nicht nur historisch. Überall wo ich hinkomme, bekommen die Leute große Augen, wenn ich Berlin erwähne“, erzählt Cock-Johnson. Damit das auch so bleibe, legt Naumann ein Augenmerk auf die Industrie 4.0 in der Hauptstadt der Start-ups. „Denn es ist eine Besonderheit, wenn ein Start-up sich 150 Jahre lang hält“, sagte Naumann.

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