ORTSTERMIN : Enttäuschung programmiert

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Es waren große Worte, die in der Berliner Akademie der Künste gesprochen wurden. Verantwortung, Vertrauen, Sozialpartnerschaft und Solidarität: Um solche Begriffe ging es, als Topmanager wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und BASF-Chef Jürgen Hambrecht am Donnerstagabend ihr neues „Leitbild für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft“ vorstellten. Geschäftsführer von 21 deutschen Unternehmen haben die Selbstverpflichtung unterzeichnet, mit der sie verloren gegangenes Vertrauen in ihr Handeln zurückgewinnen wollen. Das Papier, vom ehemaligen BASF-Aufsichtsratschef Jürgen Strube initiiert, soll „überprüfbare Standards“ für Unternehmer enthalten und sie zu fairem Wettbewerb, zu Sozialpartnerschaft und Nachhaltigkeit verpflichten.

Die Absichtserklärung scheint angebracht. „Rückhaltloses Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft“ sei heute selten, sagte die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, und die Manager, so scheint es, sind unzufrieden mit ihrem schlechten Ruf.

Ohne Vertrauen könne kein Unternehmen bestehen, sagte Hambrecht. Das steigende Misstrauen der Bevölkerung in Politik und Wirtschaft zeige, „dass etwas nicht stimmt in unserem Land“. Besonders für den streitbaren Josef Ackermann scheint die Demonstration einer im Papier festgehaltenen „wertorientierten Führung“ wichtig, denn das Vertrauen der Bürger in die Banken ist durch die Finanzkrise besonders stark erschüttert.

Ehrenvoll ist die Initiative, doch an vielen Stellen ist das Leitbild wenig konkret. So heißt es in dem Papier unter dem Stichwort Gewinne und Moral: „Verantwortliche Unternehmensführung bedeutet Gewinnstreben in einer Weise, die das Vertrauen in Marktwirtschaft und Unternehmen fördert und nicht untergräbt.“ Details? Fehlanzeige.

Eine wichtige Lehre aus der Krise findet sich aber im Leitbild: Finanzielle Einschnitte für die Belegschaft müssten sich „auch in der Vergütung von Führungskräften widerspiegeln“. Ob die selbst auferlegten Standards eingehalten werden, sollten Öffentlichkeit und andere Unternehmen beobachten, betonte Strube. Zu viel sollte man aber nicht erwarten, denn zugleich warnte er: „Enttäuschungen werden wir nicht vermeiden können.“

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