ORTSTERMIN : Konflikt mit Ansage

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Der junge Mann trägt sein Anliegen Weiß auf Schwarz auf der Brust. „Datenschützer“ steht auf dem Kapuzenpulli, den er am Donnerstag nach Berlin-Mitte ausführt. Statt in der Uni sitzt der Informatikstudent an diesem Tag in der blau-rot- gelb-grün geschmückten Kalkscheune. Google hat eingeladen zur Diskussion über Privatsphäre und Datenschutz im Internet. Daten-Dialog heißt die Konferenz, die erstmals in Deutschland stattfindet. Und dass hier Kapuzenpulloverfans auf Anzugträger treffen, ist ebenso erwünscht wie die teils heftigen verbalen Duelle. „Wir laden ein, zu kritisieren und zu loben“, sagt Googles Chefentwickler Wieland Holfelder zur Begrüßung. „Bei uns steht der User an erster Stelle. Wir sind immer für Feedback offen.“

Möglichst offen und möglichst vielfältig sollen sich auch die gut 200 Gäste austauschen. Während der Vorträge klimpern sie lebhaft auf ihren Laptops und Smartphones herum – live twittern, sich virtuell einmischen ist angesagt. Der Science-Fiction-Autor und Journalist Cory Doctorow meint, dass es eine Weile dauert, bis umfassender Datenschutz sich durchsetzt – schließlich sehe man auch nicht jedes verspeiste Stück Kuchen sofort auf den Hüften. „Die Beziehung zwischen Google und den Datenschützern ist nicht konfliktfrei“, findet Peter Schaar, der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, mit leiser Ironie – aber in beachtlicher Lautstärke. Dass Google überhaupt so einen Kongress durchführe, sei jedoch schon eine Botschaft.

In der Tat haben die Internetkonzerne Google und Facebook angesichts großer öffentlicher Aufregung zuletzt viel Redebedarf zum Thema Datenschutz verspürt. Vor drei Wochen beriet man sich im Innenministerium. Jetzt lud Google Vertreter von Politik, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen in die Kalkscheune zu Debatte und Workshops ein. Cornelia Rogall-Grothe, Staatssekretärin im Innenministerium, trägt vor, dass „Fragen zum Datenschutzrecht zuletzt unzureichend und zu wenig diskutiert wurden“. Doch an der anschließenden Diskussionsrunde kann sie dann selbst nicht mehr teilnehmen.

Sie verpasst einiges. Es wird hitzig und noch lauter als beim Vortrag von Peter Schaar. Für „Unsinn“ erachtet es zum Beispiel einer im Publikum, dass Google personalisierte Daten speichert, um seinen Suchdienst zu verbessern. Google widerspricht, zur Optimierung der Suchergebnisse sei das nötig. Zwei-, dreimal gehen die Argumente hin und her. Einig wird man sich nicht. Dann kommt die nächste Frage.  Das Fazit von Chefentwickler Holfelder: „Solche Gespräche sind wichtig, und sie zeigen, dass die Notwendigkeit für einen Dialog besteht.“

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