ORTSTERMIN : Post für Paris

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Es ist ein Termin, der ihm sichtlich Spaß macht. Immer wieder lacht Klaus Wowereit laut auf, stellt interessiert Nachfragen und scherzt mit den Mitarbeitern. „Sie tragen ja schon kurze Hosen“, ruft der Regierende Bürgermeister fröhlich einem Lagermitarbeiter zu, der in Khakishorts durch die Halle läuft. Eingerahmt von den beiden Geschäftsführern lässt Wowereit sich am Mittwoch durch die Abfertigungshallen des Berliner Kurier- und Expressunternehmens „Go!“ führen. Morgens ist es dort noch ruhig – erst am Nachmittag werden sich hier in den blauen Transportboxen die Pakete stapeln, die bis zum nächsten Morgen an ihrem Bestimmungsort sein müssen. Doch dann, wenn hier das Gewusel losgeht, wird der Regierende schon längst bei einem anderen Termin sein. 60 Minuten erlaubt der Bürgermeister-Kalender für den Unternehmensbesuch. Seit dem letzten Wahlkampf ist Wirtschaft Wowereits neues Lieblingsthema. Da trifft es sich gut, wenn ein Berliner Mittelständler wie „Go!“ in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert und zum Besuch einlädt.

Immer weiter ist das Unternehmen, das heute 100 feste Mitarbeiter und 150 freie Kuriere beschäftigt, seit der Gründung 1982 gewachsen. Immer wieder ist es deshalb in Berlin umgezogen, seit 2006 hat es seinen Sitz im Siemens-Technopark in Spandau. „Weiter dürfen Sie aber nicht rausziehen“, merkt Wowereit an und scherzt: „Sonst sind Sie ja irgendwann in Brandenburg!“

In den Gründungsjahren hat der Betrieb unter dem Namen „Die Expressboten“ eilige Sendungen nur in den Westteil der Stadt zugestellt. Heute transportiert es unter dem Dach der Go-Kette Waren in die ganze Welt. Auch Wowereit darf an diesem Morgen ein Paket verschicken. Für die Fotografen packt er Broschüren über Berlin und rote Jute-Taschen mit Werbung für die Be-Berlin-Kampagne in eine ebenfalls rote Box. Schon am nächsten Tag soll sie bei Bertrand Delanoë eintreffen, Wowereits Pariser Amtskollegen. Denn ihn wird Wowereit bald anlässlich eines Jubiläums der Städtepartnerschaft besuchen. „Er kann die Berliner Flyer ja dann im französischen Präsidentschaftswahlkampf verteilen“, meint Wowereit. „Dann muss sich Sarkozy aber ganz schön warm anziehen!“

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