Ortstermin : Riesters Rache

Eine wenig schmeichelhafte DIW-Studie zur Riester-Rente brachte den Namensgeber und ehemaligen Arbeitsminister auf die Palme. Nun geht er zum Gegenangriff über.

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Gilt als eher öffentlichkeitsscheu: Walter Riester.
Gilt als eher öffentlichkeitsscheu: Walter Riester.Foto: dpa

Berlin - Der Mann hat sich schwer geärgert. Deshalb sitzt er jetzt doch wieder hier in dieser Pressekonferenz, nach jahrelanger Enthaltsamkeit, und er will diesen Beweggrund auch gar nicht verhehlen. Helles Sommersakko, der Kopf mit dem schütteren grauen Haar sehr aufrecht, die Arme verschränkt: Walter Riester, Arbeitsminister in den rot-grünen Jahren 1998 bis 2002, verteidigt das nach ihm benannte, inzwischen millionenfach verbreitete Altersvorsorgeprodukt. An dessen Verkauf er, das nur nebenbei, seither in diversen Finanzdienstleisterjobs auch selber kräftig mitverdient.

Anlass für den Auftritt des öffentlichkeitsscheu gewordenen 68-Jährigen ist eine Studie, die einmal nicht ganz so kritisch daherkommt. Riester-Sparen lohne sich sehr wohl, sagt Mark Ortmann vom Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA). Nach seinen Untersuchungen hat diese Anlageform in den vergangenen zehn Jahren Renditen von bis zu 7,34 Prozent pro Jahr erbracht. Alleinstehende Kinderlose kamen auf einen Wert zwischen 3,22 und 5,19 Prozent. Mit einem Kind wurden, wegen der höheren Zuschüsse 5,44 bis 7,34 Prozent erzielt. Er kenne keine andere Sparform für Kleinanleger, die in diesem Zeitraum derart erfolgreich gewirtschaftet habe, versichert der Instituts-Geschäftsführer.

Erst vor kurzem hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) den Riester-Produkten ein ganz anderes Urteil ausgestellt: schlechte Rendite, hohe Gebühren, intransparente Kalkulation. Eine heute 35-jährige Sparerin müsse, um am Ende wenigstens ihre Spareinlagen plus Zuschüssen zurückzuerhalten, mindestens 77 Jahre alt werden. Von Inflationsausgleich oder Gewinnen nicht zu reden. Im Sparstrumpf, so die DIW-Bilanz, sei das Geld mitunter besser aufgehoben.

„Unsinn, Fehlinformation, völlig irreführende Betrachtungsweise“: Der Vater des Ganzen schäumt seither schon, wenn er nur den Namen des Instituts hört. Millionen von Menschen seien verunsichert worden, Tausende hätten ihre Verträge gekündigt und sich so geschädigt. Wie könne man denn eine Versicherung, die eine lebenslange Altersrente garantiere, unter alleiniger Sicht auf die Rendite beurteilen! Dann, so höhnt der Ex-Minister, lohne sich eine Kfz-Versicherung auch ganz besonders, wenn der Versicherungsnehmer „alle paar Monate gegen einen Baum fährt“. Bei der Riester-Rente sei es „nie um Vermögensbildung gegangen“, sondern um Absicherung des Langlebigkeitsrisikos. Da sei es doch „klasse, wenn man mit 78 schon die Renditephase erreicht“.

Die neue Studie, die Riester so gut gefällt, berücksichtigt denn auch weder Auszahlung noch eventuelle Besteuerung, sondern nur den Stand zum Ende der Vertragslaufzeit. Und sie hat, was auch die Autoren nicht in Abrede stellen, ein Riesendefizit. Auf die Finger gucken ließen sich von 43 angeschriebenen Anbietern grade mal sechs: Volkswohl Bund, Huk-Coburg, Cosmos, DWS Investment, Hannoversche und der Rendite-Primus Debeka. Es ist zu vermuten, dass es sich nur um solche handelt, die sich mit ihren Ergebnissen nicht zu verstecken brauchen.

Er habe von Beginn an gewusst, dass es bei den Riester-Angeboten „auch weniger gute und hundsmiserable“ geben werde, sagt Riester. Einen Grund, sich per einstweiliger Verfügung gegen die von den Medien erfundene Betitelung zu wehren, wie ihm damals empfohlen wurde, sah er dennoch nicht. Bis heute: kein Grund, sich zu schämen. Die Produkte seien ein „toller Erfolg“, auch sozialpolitisch. Bloß mit der Kostentransparenz hapert es aus der Sicht ihres Erfinders. Da würde sich der Sozialdemokrat deutlich mehr wünschen.

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