Ortstermin : Supermächte in Klimafragen

Kevin P. Hoffmann bei einer Debatte mit Botschaftern aus China und den USA.

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Als Thomas Kauch als Moderator da so eingeklemmt zwischen den Vertretern der Supermächte saß, biss er erst mal in ein Sandwich. Der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion brauchte wohl eine Stärkung nachdem Wu Hongbo, Chinas Botschafter in Deutschland, und Robert A. Pollard, Wirtschaftsgesandter der USA, die klimapolitischen Strategien ihrer Länder skizziert haben. Denn spätestens da war allen im Saal klar: Es wird ein Kraftakt diese beiden Extrempositionen zusammenzubringen.

Montagabend im Paul-Löbe-Haus des Bundestages: Die fünf Fraktionen hatten gemeinsam zum „Zukunftssalon Umwelt“ geladen. 80 Gäste kamen und gewannen einen Eindruck davon, wie es auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen zugegangen sein muss. Herr Wu und Herr Pollard sprachen nicht miteinander, sondern übereinander: Wu holte in seinem halbstündigen Referat weit aus, sprach von 200 Jahren Industriegeschichte, in der sich einige Länder auf Kosten der Umwelt entwickelt hätten. Jetzt sei China „Entwicklungsland“. Denn noch heute gäbe es dort Provinzen, in denen Menschen im Winter frieren. „Sollten wir dafür sorgen, dass diese Menschen wie die in Berlin oder Beijing Strom und Heizung haben? Ich sage: Ja“. Auch könne man seinen Landsleuten nicht verbieten, mal Auto fahren zu wollen. China wäre aber bereit, noch 2010 ein Klimaabkommen zu beschließen – wenn dieses „gemeinsame, aber differenzierte“ Ziele festlegt. Will sagen: Den Entwicklungsländern erlaubt, mehr Kohlendioxid auszustoßen, als den Industrieländern.

Pollard entgegnete, selbst wenn alle Industrieländer ab sofort kein Gramm CO2 mehr ausstoßen würden, würde die Welt bald „nasse Füße“ bekommen. Auch die USA würden ein Abkommen akzeptieren – aber nur wenn China und Indien einen echten Beitrag leisten und diesen auch von neutralen Beobachtern überprüfen lassen. Das lehnte Hu ab. Die nationale Statistikbehörde würde absolut zuverlässig und transparent arbeiten.

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