ORTSTERMIN : Wein statt Wasser

Alexander Riedel

Klaus Töpfer kennt sich aus mit der Energiewende, doch für diesen Job kommt er wohl nicht infrage: Der frühere Bundesumweltminister von der CDU fordert unablässig einen professionellen Projektmanager für Deutschlands größtes Infrastrukturprojekt. Einen Vorschlag für den Posten blieb der 74-Jährige aber auch am Donnerstagabend vor den Mitgliedern des Berlin-Maximal-Clubs, des Businessnetzwerks des Tagesspiegels, schuldig. Auf Nachfrage nur so viel: Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn sei derzeit ja mit dem Bau des Hauptstadtflughafens belegt. „Und das wird vielleicht noch ein paar Tage dauern.“

Töpfer redete mit viel Unterhaltungswert, verlangte am Rednerpult Wein statt Wasser. Die Botschaften blieben deutlich: „Alle Krisen, die wir gegenwärtig zu bewältigen haben, sind nichts anderes als ein Offenbarungseid der Kurzfristigkeit“, erklärte der „grüne Schwarze“, wie die Medien ihn gerne nennen. Aktuell ist er Exekutivdirektor des Potsdamer Instituts für Nachhaltigkeitsforschung (Institute for Advanced Sustainability Studies). Als Leiter der Ethikkommission nach Fukushima gilt er als geistiger Vater der Energiewende.

Immer wieder sagt der Ex-Minister „wir“, wenn er eigentlich die jetzige Regierung meint. Das fällt ihm natürlich auch auf. Macht aber nichts – bis zum nächsten „wir“ adressiert er seine Ideen für die Energiewende eben an die Politik: CO2-Zertifikate aufkaufen, um Schwung in deren Handel zu bringen, Gebäudesanierung besser fördern und konsequentere Forschung zu fossilen wie erneuerbaren Energieträgern.

Töpfer selbst war in seinem Leben schon für viele Posten im Gespräch: als Spitzenkandidat der Berliner CDU, als Bundespräsident und zuletzt als Leiter der noch zu gründenden Kommission für die Suche nach einem Endlager für Atommüll. Abzuwarten bleibt, ob er bei der Energiewende noch eine weitere entscheidende Rolle spielen wird.

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