Wirtschaft : Osama bin Bush

Aus dem Wall Street Journal<br><br>übersetzt

Wenn der Arbeiterführer John Sweeney recht hat, dann ist Osama bin Laden nicht der einzige, der die Bürger Amerikas terrorisiert. Auch George W. Bush führe "einen brutalen Krieg gegen Arbeiterfamilien". Das sagte jedenfalls der Chef der Gewerkschaft AFL-CIO diese Woche bei deren Tagung in Las Vegas. Und Sweeney war nur der Vorredner für Jesse Jackson. Der beschuldigte am nächsten Tag die Bush-Regierung des "Wirtschaftsterrors", und rief die Arbeiter auf, "wieder auf die Straßen zu gehen". Dieser Heilige Krieg der Gewerkschaften gegen Bush kommt zu einem seltsamen Zeitpunkt. Bush kann vier der fünf Sitze im Nationalen Rat für Arbeitsbeziehungen (NLRB), der die Bundesarbeitspoltik durchsetzt, neu besetzen. Bisher hat Bush nur zwei Namen genannt. Einer davon ist Dennis Walsh, ein Demokrat und Favorit der AFL-CIO. Die Bewerbung wird allerdings von republikanischen Senatoren blockiert - als Protest gegen die Verweigerung der Demokraten bei einer anderen Personalentscheidung. Sweeneys Rhetorik dürfte da kaum helfen. Zumal es bei ihm schon an Schizophrenie grenzt, wenn er in derselben Rede Bush beschuldigt, Krieg gegen das amerikanische Volk zu führen, und ihn dann für die "gute Arbeit" beim Krieg in Afghanistan lobt.

Sweeneys und Jacksons Vergleich mit der Al-Qaida hängt damit zusammen, dass Bush vergangene Woche eine Ermächtigung für rasche Handeslentscheidungen bekommen hat. Schließlich wird Bush nachgesagt, er lehne das Recht der Arbeiter, sich zu organisieren, ab. Aber das Zögern Bushs, den von Bill Clinton geprägten NLRB vollkommen neu zu ordnen, zeigt, dass er keine Schlacht mit den Gewerkschaften führen will. Vielleicht intensiviert Sweeney aber auch jetzt seine Redeattacken, weil er Angst hat, seine eigenen Leute könnten ihre Liebe zu Bush entdecken. Im vergangenen Jahr wählten ihn immerhin 40 Prozent. Politische Erfolge des liberalen Lagers hingen immer davon ab, Gewerkschafter und Schwarze zur Stimmabgabe zu bringen; aber immer weniger Wähler gingen an die Urnen. Sweeney und Jackson haben vielleicht das Gefühl, laut rufen zu müssen, Bush sei zu Hause ein Kriegsverbrecher, je erfolgreicher er jenseits der Grenzen erscheint. Aber Amerikas Arbeiter werden kaum so leichtgläubig sein.

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