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Osram-Börsengang : Nummer 31 im Dax

Osram geht an die Börse und gehört zum wichtigsten deutschen Aktienindex – aber nur einen Tag lang. Der Aktienkurs dreht erst einmal ins Minus.

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Osram Vorstandsvorsitzender Wolfgang Dehen und sein Finanzchef Klaus Patzak stehen mit zwei weiteren Männern auf dem Frankfurter Börsenparkett vor der Anzeigetafel. Dehen hält die Glocke hoch.
Eingeläutet: Wolfgang Dehen, Vorstandsvorsitzender der Osram Licht AG, eröffnet den Handel mit Osram-Titeln an der Frankfurter...Foto: Osram

Wer am Freitag noch Siemens-Aktionär war, ist am heutigen Montag automatisch auch Osram-Aktionär geworden. Siemens hatte versucht, seine Lichttochter zu verkaufen oder an die Börse zu bringen, aber den richtigen Zeitpunkt verpasst, um einen guten Preis zu erzielen. So wählte der Konzern einen anderen Weg, spaltete Osram ab und gab 80,5 Prozent der Anteile an seine Aktionäre.

Ein Geschenk sei das nicht, argumentiert Siemens. Schließlich gehörte Osram als Teil von Siemens den Aktionären ja bereits. Die Aktien sind ab sofort an der Börse handelbar. Sie starteten am Montag mit einem Preis von 24 Euro an der Frankfurter Börse. Am Vormittag lagen die Papiere dann im Minus und rutschten zeitweise auf 23 Euro ab. Dass die Aktie zunächst an Wert verliert, war erwartet worden. Beobachter rechnen auch später nicht mit Höhenflügen. „Aber wer eine Siemens-Aktie kauft, kann auch genauso gut eine Osram-Aktie kaufen“, meint zum Beispiel Klaus Huhn von der Beratungsfirma Frost & Sullivan.

Die Börsennotiz beginnt mit einer Kuriosität: Heute werden ausnahmsweise 31 Werte im Dax gelistet sein, weil Osram hier zunächst noch als Teil von Siemens zählt. Nach Börsenschluss fällt Osram dann aus dem Dax heraus, weil es die dafür nötige Größe nicht hat. Erst im Herbst ordnet die Börse die Zugehörigkeit zu den Indizes neu. Dann hat Osram die Chance, in den M-Dax aufzusteigen. Erwartet wird, dass sich am Montag all diejenigen Fonds und Anleger von den Papieren trennen, die in ihren Anlagen die Struktur des Dax nachbilden. Dass der Kurs der Aktie deswegen anfangs stark nachgeben dürfte, schreibt Osram sogar selbst in seinem Börsenprospekt.

Osram will 2013 die Gewinnschwelle erreichen

Doch wie ist die Perspektive? Um die zu erklären, gingen Vorstandschef Wolfgang Dehen und sein Finanzchef Klaus Patzak in den vergangenen Tagen auf Roadshow und trafen sich mit mehr als 400 Interessenten in Europa und den USA. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Siemens Osram noch mit mehr als einer Milliarde Euro unter die Arme gegriffen. Nun steht das Unternehmen mit einem Umsatz von zuletzt 5,4 Milliarden Euro und einem Nettoverlust von knapp 380 Millionen Euro allein da. Im Geschäftsjahr 2013, verspricht Dehen, soll Osram die Gewinnschwelle erreichen.

Doch das Unternehmen steht vor erheblichen Herausforderungen: Der Lichtmarkt befindet sich gerade in einer technischen Umbruchphase. Die alte Glühlampe verschwindet vom Markt und wird von der LED-Lampe ersetzt. LED steht für ein Licht emittierendes Halbleiter-Bauelement (Diode). Die Neuausrichtung kostet viel Geld. Und die neue Technik lockt neue Mitspieler auf den Markt, der bisher von den drei großen Anbietern Philips, Osram und General Electric beherrscht wurde. Diese neuen Mitspieler wie Samsung oder LG Electronics kommen aus dem Bereich der Halbleiterindustrie. Insgesamt arbeitet Osram in drei Geschäftsfeldern – Allgemeinbeleuchtung, Spezialbeleuchtung und optische Halbleiter.

Nur ein Viertel des Geschäfts macht Osram mit Endkunden

Der größte Bereich ist die Allgemeinbeleuchtung (Umsatz 3,4 Milliarden Euro) zu der das klassische Lampengeschäft gehört, aber auch Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen oder Halogenlampen. Dieses Geschäft muss Osram neu aufstellen. Gut läuft dagegen das Geschäft mit der Spezialbeleuchtung (Umsatz 1,4 Milliarden Euro) wozu etwa die Halogenlampen für die Autoindustrie zählen, Lampen für Projektoren, Kinos oder die Beleuchtung von Geschäften sowie die Straßenbeleuchtung. Das ist der Bereich, der auch in Berlin vertreten ist. Optische Halbleiter (Umsatz knapp 900 Millionen Euro) wiederum sind Vorprodukte, die in Leuchten aber auch anderswo eingesetzt werden. Insgesamt macht Osram drei Viertel seines Geschäfts mit professionellen Anwendern und nicht mit Endverbrauchern.

Die Form der Flame Towers in Baku erinnert an Flammen. Die Hochhäuser leuchten rot vor dem dunklen Himmel, die Fensterreihen bilden erleuchtete Streifen.
Baku leuchtet. Die Flame Towers zieren LEDs aus dem Hause Osram.Foto: Osram

Ende des Geschäftsjahres 2012 hatte Osram weltweit noch 39 000 Mitarbeiter, bis Ende 2014 soll die Zahl auf 34 000 gesunken sein. Von den 2012 angekündigten Einschnitten in Produktion, Logistik und Verwaltung in Berlin ist nach Angaben von Siemens bereits mehr als die Hälfte umgesetzt. Dadurch dürfte sich mittelfristig das Gewicht an dem Standort weiter in Richtung der Spezialbeleuchtung verschieben, vor allem in die Bereiche Automobil und Projektion. 1500 Mitarbeiter arbeiteten Ende 2012 für Osram in Berlin, Ende 2014 werden es wohl nur noch 1000 sein.

Statt Glühlampen muss Osram nun Lichtkonzepte verkaufen

Klaus Huhn von Frost & Sullivan sieht Osram als Einzelkämpfer in einer guten Startposition. Allerdings müssten alle Marktteilnehmer umdenken: Während Kunden früher bereits nach kurzer Zeit Glühlampen ersetzen mussten, halten LED-Lampen viele Jahre. „Die Hersteller müssen einen großen Teil ihres Geschäfts mit etwas anderem kompensieren“, sagt Huhn. Ein Wachstumsmarkt ist das Lösungsgeschäft, wo die Hersteller nicht einfach nur Lampen verkaufen, sondern eben ganze Lichtkonzepte für Gebäude, wie zum Beispiel Hochhäuser, Läden, Hotels oder auch Stadien. „Das Positive am Lösungsgeschäft ist, dass hier bessere Umsätze und Margen erzielt werden können“, sagt Huhn. Ein weiteres Wachstumsfeld sei das Leuchtengeschäft, also der Bereich, wo es nicht nur um die Lichtquelle, sondern um die gesamte Leuchte drumherum geht – von der LED-Straßenbeleuchtung über Stadionbeleuchtung bis zur Designerleuchte. Hier könne Osram mit weiteren Akquisitionen wachsen. Insgesamt, so sagt Huhn, sei Osram in einem Markt, der sicher Bestand haben werde, gut aufgestellt. Auf eine Riesendividende oder einen massiven Kursanstieg sollte man als Anleger allerdings eher nicht setzen.


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