Osram : Energiesparlampen: Es werde LED

Osram erwartet den Durchbruch der Leuchtdioden und setzt auf die nächste Generation "organischer" Energiesparlampen. Derzeit sind sie aber noch sehr teuer.

Thomas Magenheim
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Licht der Zukunft. Die moderne Fabrik für Leuchtdioden in Regensburg nahm im vergangenen Jahr ihre Arbeit auf. Foto:...dpa

München - Die Lichtindustrie steht an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter. „LED wird gerade Realität, dann kommen OLED“, sagt Martin Goetzeler über die technologischen Umwälzungen in seiner Branche. Er ist Vorstandschef der Siemens-Tochter Osram und erwartet den Durchbruch der Leuchtdioden (LED) als neue Generation von Stromsparlampen. Zugleich gibt es erste Lampen auf Basis organischer Leuchtdioden (OLED), die der Branche neue Geschäfte bescheren sollen. OLED werden in einigen Jahren auf flexiblen Folien produziert und als Lichttapeten oder Lichtvorhänge verkauft, beschreibt Osram-Experte Rüdiger Müller die noch futuristisch anmutende Zukunft.

Die Dynamik ist gewaltig. Allein der globale LED-Markt wird seine Umsätze bis zum Jahr 2012 auf 12,6 Milliarden Euro verdreifachen, sagt eine aktuelle Studie, deren Ergebnisse Goetzeler für sehr wahrscheinlich hält. Zum Vergleich: Heute hat der weltweite Beleuchtungsmarkt ein Volumen von 22 Milliarden Euro. Osram baut darauf, dass globale Umweltpolitik für eine rasche Verbreitung der innovativen Technologie sorgt. Denn die heute gängige Generation von Stromsparlampen verbraucht zweieinhalb Mal mehr Energie als eine LED-Leuchte. Traditionelle Glühbirnen, die nun nach und nach aus dem Handel verschwinden, fressen das 25-Fache an Strom.

Die moderne LED-Technik hat aber ihren Preis. Eine LED-Lampe mit Schraubsockel kostet im Schnitt 30 bis 40 Euro. Wer ein Spitzenprodukt kauft, bei dem unter anderem die Lichtfarbe einstellbar ist, muss bis zu 80 Euro bezahlen. Über die geringeren Stromausgaben amortisieren sich LED-Lampen in der Regel binnen zwei bis drei Jahren, sagt Müller. Nur ein Jahr dauert es bei heutigen Stromsparlampen. „Lampen sind kein Billigprodukt mehr, sondern eine Investitionsentscheidung wie eine Solaranlage“, meint Goetzeler. Er baut darauf, dass Verbraucher das auch so sehen und sich von den hohen Anschaffungspreisen nicht abschrecken lassen. Dazu wirbt er auch mit dem Umwelteffekt. Fast ein Fünftel des Weltstromverbrauchs entfällt heute auf Beleuchtung. Mithilfe der neuen Technologien könne der Anteil halbiert werden, sagt der Osram-Manager.

Die neue Technikgeneration soll aber nicht nur in den eigenen vier Wänden Einzug halten. LED-Lampen stehen heute vor dem Durchbruch bei Kfz-Frontscheinwerfern, in der Tunnel- und Straßenbeleuchtung. „Wir packen Intelligenz ins Licht“, verspricht Müller. Damit meint er zum Beispiel Straßenbeleuchtung, die sich automatisch dimmt, wenn nachts kein Auto mehr fährt. Goetzeler schwärmt von Bürolicht, das auf den Biorhythmus von Menschen abgestimmt ist und so die Leistung des Personals fördern soll.

Praktischer Nutzen soll Verbraucher überzeugen. Realität sind bereits in Handys integrierte LED-Projektoren, die Bilder oder Filme scharf auf Flächen von der Größe einer doppelten DIN-A4-Seite werfen können. Bei PCs sorgt LED-Licht demnächst dafür, dass Computerbatterien doppelt so lang halten. Zugleich kommen die Grenzen des Machbaren in Sicht. Noch eine Halbierung sei beim LED-Stromverbrauch drin, sagt Müller. Dann habe man mit 80 Prozent Wirkungsgrad ein Maximum erreicht.

Osram könnte Impulse durch die LED- Technik, wo die Münchner hinter dem japanischen Nichia-Konzern die weltweite Nummer zwei sind, gut gebrauchen. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. September endete, fielen die eigenen Konzernumsätze rezessionsbedingt um 13 Prozent auf vier Milliarden Euro. Die Beschäftigtenzahl schrumpfte ähnlich stark um rund 4500 Arbeitsplätze auf weltweit 39 000 Stellen. In Deutschland hat Osram derzeit 9000 Mitarbeiter. Wie viele davon in Kurzarbeit sind, sagt das Unternehmen nicht. In Berlin beschäftigte Osram zuletzt 1875 Mitarbeiter, die unter anderem Xenon-Lampen für die Autoindustrie und andere Speziallampen für professionelle Anwender produzieren. Hier wird bereits seit November 2008 kurzgearbeitet. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden befristete Verträge mit 200 Mitarbeitern nicht verlängert, etwa 100 Mitarbeiter erhielten Aufhebungsverträge.

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