Wirtschaft : Ost-Baukonjunktur bremst die Branche

Weiterer Abschwung für 1997 erwartet / ifo-Bautage in Leipzig

LEIPZIG/BONN (ms/dpa).Die gegenwärtige Umbruchsituation in der deutschen Bauwirtschaft hat Bundesbauminister Klaus Töpfer auf dem 30.Ifo-Baugespräch in Leipzig als "Normalisierungsprozeß und Strukturanpassung" charakterisiert.Die Politik sei dabei jedoch gefordert, Überreaktionen zu vermeiden und die Lage nicht zusätzlich durch die abrupte Veränderung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen zusätzlich zu verschärfen.Töpfer bezog sich dabei ausdrücklich auf die anstehende Steuerreform, die auf den Immobilien- und Baumarkt besonders starke Wirkungen haben werde.So habe das Sondergebietsgesetz für die neuen Länder private Kapitalströme im oberen zweistelligen Milliardenbereich für den ostdeutschen Bausektor mobilisiert, was bei allen Überhitzungen auch aus heutiger Sicht insgesamt positiv zu werten sei.Deshalb plädierte Töpfer in Leipzig für eine objektbezogene Investitionszulage vor allem für den Wohnungsbau und die Sanierung im Innenstadtbereich.Auch die Weiterführung des KfW-Programmes nach dem in absehbarer Zeit erwarteten Ausschöpfens des bisher zugebilligten Volumens von 60 Mrd.DM sei dringlich.Dazu komme das erst kürzlich beschlossene Investitionsprogramm des Bundes von 25 Mrd.DM, das vor allem für kleinere Investitonen in Verbindung mit privaten Mitteln verwendet werden soll, wie etwa für Wärmedämmungsprojekte. Nach Angaben des Hauptverbandes der deutschen Bauindutsrie konnte die deutsche Bauindustrie auch zum Jahresbeginn 1997 ihre Talfahrt nicht bremsen.Wie der Verband am Freitag in Bonn mitteilte, blieben die Auftragseingänge im Januar und Februar um 7,5 Prozent unter dem Vorjahr.Die Zahl der Beschäftigten habe mit 1,1 Millionen um 9,7 Prozent oder 120 000 Mitarbeiter unter dem Vorjahresstand gelegen.Für das gesamte Jahr 1997 erwartet der Verband einen Rückgang der Bauinvestitionen um 2,2 Prozent.Im Westen werde sich der Abschwung etwas verlangsamen, im Osten nochmals beschleunigen. Das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut ifo, das die Leipziger Baugespräche jährlich ausrichtet, malte am Freitag hinsichtlich der zu erwartenden Entwicklung der ostdeutschen Baukonjunktur düstere Bilder: "Die bisherige Konjunkturlokomotive des Ostens, die Bauwirtschaft, bleibt mitten am Berg stehen, und ein neues Zugmittel ist nicht in Sicht", resümierte Erich Gluch, der seine neue Studie zur Lage der Bauwirtschaft in den neuen Ländern präsentierte.Danach werde der im Vorjahr begonnene Rückgang bei den Bauinvestitionen von zwei Prozent sich mindestens bis zur Jahrtausendwende fortsetzen, während im Westen ab 1988 der Bau bereits wieder deutlich anziehen werde.Entwarnung sieht Gluch lediglich in den Bereichen Eigenheimbau und bei den öffentlichen Investitionen, da sich die Kassenlage in vielen Gemeinden etwas entspannt habe.

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