Wirtschaft : Ost-Betriebe im Teufelskreis

CASPAR BUSSE (HB)

Mit ihrer Analyse im jüngsten Monatsbericht macht die Deutsche Bundesbank auf eines der Hauptprobleme der kränkelnden ostdeutschen Konjunktur aufmerksam: Der teilweise eklatante Mangel an Eigenkapital.Die Erkenntnisse sind alarmierend.Denn gerade auf den kleineren und mittleren Unternehmen ruhen die Hoffnungen der Wirtschaftspolitiker.

Die Zeit der großen Privatisierungen und der spektakulären Milliarden-Investitionen ist in Ostdeutschland acht Jahre nach der Wiedervereinigung vorbei.Jetzt geht es um den Aufbau eines stabilen Mittelstandes.Manches zarte Pflänzchen braucht dabei noch Unterstützung.Nur dann kann es auch zu einem selbsttragenden Aufschwung kommen und die Ost-Wirtschaft den Anschluß an das West-Niveau schaffen.

Gerade kleinere Ost-Unternehmen finden sich oft in einem Teufelskreis wieder, aus dem ein Entrinnen aus eigener Kraft schwer möglich ist: Das zu geringe Eigenkapital engt den Wachstumsspielraum stark ein.Das Geld fehlt, um neue Märkte zu erschließen, den Export anzukurbeln, neue Produkte zu entwickeln oder moderne Anlagen anzuschaffen.Aber genau diese Maßnahmen wären notwendig, um die Betriebe dauerhaft in die Gewinnzone zu führen, um von der anziehenden West-Konjunktur zu profitieren und um damit letztlich auch das dringend benötigte Eigenkapital aufzubauen.

Dabei sind die Probleme vieler Ost-Unternehmen nicht immer hausgemacht und auf Management-Fehler zurückzuführen.Die oft noch jungen Betriebe hatten im Gegensatz zur westdeutschen Konkurrenz bisher nicht die Zeit und Möglichkeiten, um "Fett anzusetzen" und ein kleines Kapitalpolster aufzubauen.Dazu kommt, daß gerade die Ost-Unternehmen noch immer unter Kostendruck, Produktivitätsrückstand und zu schnell steigenden Löhnen leiden.Nach den Erkenntnissen der Bundesbank arbeitete 1996 (aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor) jeder dritte der 3400 untersuchten Ost-Betriebe mit roten Zahlen.

Die Bundesbank hat auch festgestellt, daß sich in den neuen Ländern die Kluft zwischen finanzschwachen und finanzstarken Unternehmen vergrößert.So liegt die durchschnittliche Eigenkapitalquote im Osten nach Bundesbank-Erkenntnissen zwar bei 22,3 Prozent und damit fast auf West-Niveau.Doch Unternehmen unter 5 Mill.DM Umsatz verfügten 1996 nur über eine Quote von durchschnittlich 8,5 Prozent, gegenüber dem Vorjahr sogar ein Rückgang von zwei Prozentpunkten.Große ostdeutsche Unternehmen mit einem Umsatz von 50 Mill.DM oder mehr sind dagegen gut gepolstert, die Eigenkapitalquote liegt bei durchschnittlich über 30 Prozent.

Die jüngsten Maßnahmen der Bundesregierung gehen in die richtige Richtung.So kündigte Rudi Geil, Beauftragter für die neuen Bundesländer, in der vergangenen Woche an, daß der Beteiligungsfonds Ost für 1999 verlängert und die Mittel durch die Deutsche Ausgleichsbank und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sogar um jeweils eine Mrd.DM aufgestockt werden.Dazu kommt das Bürgschaftsprogramm der Ausgleichsbank.

Gleichzeitig könnte aber auch verstärkt Beteiligungskapital durch Private, allen voran durch Banken und ihre Tochtergesellschaften, bereitgestellt werden.Kapital, das nach renditeträchtigen Anlagen sucht, ist dabei nach Expertenmeinung genügend vorhanden.Nicht nur die Kreditwirtschaft selbst muß sich dabei bewegen und Bereitschaft zu mehr Risiko zeigen.Auch mancher ostdeutsche Existenzgründer und Mittelständler könnte mehr Kooperationsbereitschaft und Offenheit für einen Partner beweisen.In diese Richtung zielen auch die Beratungsaktivitäten der Ausgleichsbank.

Wohin richtige Partnerschaften führen können, zeigt der jüngste Erfolgsfall Intershop aus Jena.Der Softwarespezialist für Internet-Shopping aus Thüringen, der von Venture-Capital-Firmen unterstützt wurde, ging jetzt an den Neuen Markt.Am ersten Handelstag stieg der Kurs um 160 Prozent - ein Geschäft für alle Beteiligten, auch für den sogenannten "Business-Angel", der in der ersten Aufbauphase Risikokapital bereitgestellt hat.

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