Wirtschaft : Ost-Metaller streiken für kürzere Arbeitszeit

Am Montag beginnt der Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche/Arbeitgeber: „Stopp-Signal für Aufholprozess“

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Berlin (obu). In Sachsen wird ab Montag gestreikt. Die Gewerkschaftsmitglieder der Metall und Elektroindustrie im Pilotbezirk sprachen sich zu 79,74 Prozent für einen Arbeitskampf aus. Damit wurde die erforderliche Mehrheit von 75 Prozent überschritten. Das Ziel der Metaller ist die Einführung der 35-Stunden-Woche in ganz Ostdeutschland..

Der Verhandlungsführer der IG Metall, Hasso Düvel, bezeichnete den Ausgang der Urabstimmung am Freitag in Berlin als „sehr gutes Ergebnis“. Von 12094 Stimmberechtigten beteiligten sich 11491, was einer Wahlbeteiligung von 95,5 Prozent entspricht; 9601 votierten mit „ja“.

„Die Signale sind jetzt auf Streik gestellt“, sagte Düvel. Von den rund 125000 Arbeitnehmern in der sächsischen Metall- und Elektrobranche sind etwa 16000 in der IG Metall organisiert. Vergangene Woche hatten bereits die Beschäftigten der ostdeutschen Stahlindustrie zu gut 83 Prozent beschlossen, ihre Arbeit niederzulegen. In Berlin und Brandenburg lässt die IG Metall nächste Woche über einen Streik abstimmen. Der Arbeitskampf in der Region könnte dann am 9. Juni beginnen.

Ab Montag werden aller Voraussicht nach sieben Betrieben der Stahlindustrie und sieben bis acht Unternehmen der Metall- und Elektrobranche bestreikt. In der Nacht zum 2. Juni beginnt der Ausstand im Elektrostahlwerk Henningsdorf bei Berlin sowie im größten ostdeutschen Stahlwerk Eko in Eisenhüttenstadt.

Insgesamt will die IG Metall etwa 12000 Mitglieder zum Arbeitskampf aufrufen. Vom Streik verschont bleiben die beiden sächsischen Automobilzulieferer ISE Hainichen und Behr Kirchberg, die sich in letzter Minute mit der Gewerkschaft auf einen Haustarifvertrag verständigen konnten. Düvel sagte, dass diese Unternehmen die 35-Stunden-Woche spätestens 2008 einführen werden. Zudem laufen noch Gespräche mit zwei weiteren Unternehmen.

„Wir wollen flexibel streiken“, sagte Düvel. Er schloss auch Dauerstreiks nicht aus. Düvel kritisierte die Arbeitgeber, die der Gewerkschaft bislang kein Angebot unterbreitet hätten. Sie hätten zudem mit plumpen Drohungen und Lügen versucht, die Beschäftigten einzuschüchtern. Die Branche erfreue sich „gigantischer Produktivitätszuwächse“ und Umsatzsteigerungen. Martin Kannegießer, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, bezeichnete das Abstimmungsergebnis als „Stopp-Signal für den wirtschaftlichen Aufholprozess in den ostdeutschen Bundesländern“.

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