Wirtschaft : Ostdeutsche bauen auf Wohneigentum

Neue Förderung zahlt sich aus / Landesbausparkassen können Marktführerschaft noch ausdehnen BERLIN (olm).Mit zunehmender Intensität wird Wohneigentum im Osten zu einer Form der Alterssicherung.Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung haben bei steigender Arbeitslosigkeit, geringem Geldvermögen und kaum vorhandenen Betriebsrenten nicht die Möglichkeit, einen zusätzlichen Kapitalstock für die Zeit der Rente zu bilden.Das klassische Drei-Säulen-Modell der Absicherung (Privatvermögen, betriebliche Zuwendung und gesetzliche Rente) funktioniert in den neuen Ländern nicht, sagte Carl Gottfried Rischke, Vorstandschef der LBS Ostdeutsche Landesbausparkasse AG, anläßlich der Jahresbilanz am Donnerstag.Vor diesem Hintergrund kommt dem Wohneigentum im Osten als Sicherung der Lebensqualität im Alter ein gegenüber den alten Bundesländern bedeutender Stellenwert zu.Entsprechend hoch ist mit inzwischen 29 Prozent auch die Eigentumsquote im Osten, die im Verhältnis zu den wenigen Aufbaujahren eine steile Aufwärtsbewegung hinter sich hat und bei anhaltender Entwicklung von den 40 Prozent der alten Bundesländer nicht mehr weit entfernt ist.Dabei geht es beim Aufholprozeß im Osten nicht mehr darum, Wohnungsnot zu bekämpfen."Aus einem quantitativen ist ein qualitatives Problem geworden", so Rischke.Das wird nicht zuletzt durch die zunehmenden Wanderungsbewegungen von West nach Ost belegt.Bis zum Jahr 2010 werden entsprechenden Studien zufolge 300 000 Menschen allein von Berlin ins brandenburgische Umland ziehen.Einziges Motiv dabei ist die Verbesserung der Wohnsituation.Wesentliche Impulse erhielt der Gedanke des Bausparens im Osten durch die neue Eigenheim- und Bausparförderung.Rischke geht davon aus, daß vor dem Hintergrund der gesetzlichen Neuregelung aber auch preiswerten Hauskonzepten nun die Chance bestehe, "breitenwirksam Vermögensbildung und Altersvorsorge aneinanderzukoppeln, und vielleicht auch einmal die rote Laterne bei der Eigentumsquote abzugeben." Umfragen zeigen, wie hoch die Akzeptanz dieser Form der Geldanlage ist.Danach würden 215 000 Mieter-Haushalte (25 bis 40 Jahre) bei einem Gesamtpreis bis zu 250 000 DM ein Haus erwerben wollen.Als unterste Finanzierungsbasis wird ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen von 3000 DM genannt.Immer häufiger fordern insbesondere die Bezieher kleinerer und mittlerer Einkommen Zinssicherheit über einen möglichst langen Zeitraum.Mit entsprechenden Produktinnovationen habe die LBS auf diese Wünsche reagiert, sagte Rischke.So gebe es heute die Möglichkeit, eine zinsfeste Gesamtfinanzierung für 18 bis 22 Jahre zu erhalten.Als Beispiel nannte der Vorstandschef bei erstrangiger Plazierung einen Kredit über 100 000 DM, der mit einem Bausparvertrag von 125 000 DM untersetzt ist.Mit Blick auf die aktuellen Kapitalmarktzinsen könne der Bausparkunde über die Laufzeit von 20 Jahren mit einer konstanten Belastung von monatlich 750 DM rechnen.Ein zweites Modell, das die staatliche Eigenheimzulage in die Förderfinanzierung mit einbezieht, verhindere den kritischen Belastungssprung nach Ablauf von acht Jahren und sorge bei konstanter Rückführung des Kredites für eine frühere Entschuldung.Die Bauspartätigkeit stagnierte bei der LBS 1997 im Neugeschäft auf hohem Niveau.Die 144 668 Verträge mit einer Bausparsumme von 4,1 Mrd.DM stellten gegenüber dem Boomjahr 1996 einen leichten Rückgang dar.Schon im laufenden Geschäftsjahr rechnet das Institut aber mit einem neuen Anlauf in Richtung Wachstum auf über 4 Prozent.Wie Rischke betonte, bewege man sich mit dem Ergebnis aus dem Jahr 1997 aber immer noch oberhalb des Branchendurchschnitts.Dadurch sei die Marktführerschaft im entsprechenden Geschäftsgebiet weiter ausgebaut worden.Mit über 61 000 Neuabschlüssen zeigten sich die Sachsen als die fleißigsten Häuslebauer im Osten.Zugeteilt wurden 1997 insgesamt 42 083 Verträge mit einer Bausparsumme von 1,2 Mrd.DM.Die Bilanzsumme der Gesellschaft wird mit 4,3 Mrd.DM ausgewiesen.Der Jahresüberschuß stieg auf 10,6 Mill.DM.Ihren Vertragsbestand weitete die LBS 1997 um 17 Prozent aus.Das Ergebnis: 737 000 Verträge mit einer Bausparsumme von 21,8 Mrd.DM.Die Stornoquote aller 1997 abgeschlossenen Verträge bewegte sich in der Größenordnung von 1,8 Prozent.

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