Wirtschaft : Ostdeutsche Bauern kaufen nicht – sie pachten lieber

Privatisierung von Flächen verzögert sich / Nun will der Treuhand-Nachfolger bei der Finanzierung helfen

Anselm Waldermann

Berlin - Die Privatisierung von ehemals volkseigenen Flächen in Ostdeutschland gerät ins Stocken. „Wir haben unsere Ziele nicht erreicht“, sagte Wolfgang Horstmann, Geschäftsführer der bundeseigenen Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH (BVVG), am Freitag in Berlin. So habe die BVVG im vergangenen Jahr 102000 Hektar Grund und Boden verkauft – der Plan habe aber deutlich darüber gelegen. In diesem Jahr werde die BVVG ihre Ziele zwar erreichen – allerdings nur, weil man die Planvorgaben zurückgenommen habe. Genauere Zahlen nannte Horstmann nicht.

Die BVVG privatisiert als Nachfolgeorganisation der Treuhand frühere volkseigene Agrar- und Waldflächen in den neuen Bundesländern. In den vergangenen 13 Jahren veräußerte sie fast 867000 Hektar Land. Die Überschüsse aus diesen Geschäften führt die Gesellschaft an das Bundesfinanzministerium ab. Im vergangenen Jahr waren dies 281 Millionen Euro. Derzeit befinden sich noch 880000 Hektar im Besitz der BVVG.

Dass diese Flächen nur langsam verkauft werden, liegt Horstmann zufolge am geringen Interesse potenzieller Käufer, vor allem der ostdeutschen Landwirte. „Viele berichten uns, dass es Probleme bei der Finanzierung gebe“, sagte Horstmann. Auch die Angst vor Hartz IV bremse offenbar den Willen zum Aufbau von Vermögenswerten.

Die BVVG will daher neue Finanzierungsmodelle anbieten. So sollen Landwirte bei der Kreditaufnahme mit Garantien und Bürgschaften unterstützt werden. „Es liegt auch im Interesse der Landwirte, Flächen schnell zu kaufen“, erklärte Horstmann. Bei Pachtzinsen von 5,5 Prozent des Verkehrswerts und Darlehenszinsen von 3,5 Prozent stelle der Kauf einen „deutlichen Vorteil“ dar. Horstmann machte aber auch klar, dass nach dem Auslaufen der meisten Pachtverträge in den Jahren 2010 bis 2012 nicht alle frei werdenden Flächen auf einen Schlag verkauft werden sollen. „Wir werden die Märkte nicht überfordern.“

In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt wollen die Landesregierungen die betreffenden Flächen von der BVVG erwerben und selbst weiter verkaufen. Horstmann betonte jedoch, dass der Bund dabei ein Ergebnis erzielen möchte, das einer Privatisierung über die BVVG entspricht. Dies seien rund zwei Milliarden Euro.

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