Wirtschaft : Ostdeutsche Betriebe sind auf Grund der geringen Eigenkapitalaustattung besonders gefährdet

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Die Zahlungsmoral gewerblicher und privater Schuldner in Deutschland hat sich auch in diesem Jahr weiter verschlechtert. Als Folge davon stehen 3 100 Handwerksbetriebe vor dem Aus, wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU)in Berlin mitteilten. Bundesweit seien 40 000 Arbeitsplätze gefährdet. "Besonders in Ostdeutschland ist die Entwicklung alarmierend", sagte ZDH-Präsident Dieter Philipp. In den neuen Bundesländern klagt immer noch die Hälfte der Handwerksunternehmen über die schlechte Zahlungsmoral der Schuldner. Dies gelte zunehmend auch für Aufträge der öffentichen Hand. Ostdeutsche Betriebe seien auf Grund der geringen Eigenkapitalaustattung besonders gefährdet, sagte Philipp. Erschwerend käme hinzu, dass viele ostdeutsche Unternehmen kein effektives Mahnwesen unterhalten könnten.

Besonders problematisch sei die Situation in der Baubranche. Oft würden Mängelrügen vorgeschoben, um fällige Rechnungen nicht zu begleichen. "Auf diese Weise verschafft sich der Bauherr vom Handwerker einen zinsgünstigen Kredit", klagte Philipp. Oft verzichteten die Handwerker auf Mahnungen und Prozesse, um Folgeaufträge nicht zu gefährden. Der ZDH-Präsident begrüßte das von Bundesjustizministerin Hertha Däubler-Gmelin (SPD) geplante Gesetz zur Verbesserung der Zahlungsmoral. Notwendig sei, dass darin eine sofortige Abschlagszahlung von mindestens 90 Prozent festgeschrieben werde, forderte Philipp. Auch die Vollzugszinsen müssten von derzeit vier auf mindestens acht Prozent heraufgesetzt werden, "sonst haben sie keine abschreckende Wirkung", so Philipp.

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