Wirtschaft : Ostdeutsche Industrie ist zuversichtlicher

BERLIN . Die Stimmung in der ostdeutschen Industrie hat sich wieder aufgehellt. In der Mai-Umfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) meldeten die 300 befragten Unternehmen wieder eine deutliche Besserung der Lage. Sie sei zwar noch nicht so gut wie vor Jahresfrist, das Tief scheine jedoch überwunden, meint das IWH. Besonders erholt zeigten sich die Vorleistungsgüterfirmen, die vom saisonbedingten Aufwärtstrend etwa am Bau profitierten. Sonst differiert das Bild jedoch: Die Hersteller elekronischer und elektrischer Geräte seien mit ihrer derzeitigen Lage zufriedener, die Hersteller von Metallerzeugnissen und die Maschinenbauer weniger. Mit gestiegenen Aufträgen vor allem aus dem Ausland hätten sich auch die Geschäftsaussichten wieder verbessert. Im Laufe des Jahres werde sich die Ost-Industrie erholen, die Dynamik werde aber längst nicht so kräftig sein wie 1998. Bremsend wirke vor allem die gedämpfte Zuversicht der Investitionsgüterproduzenten, auf die 28 Prozent des Industrieumsatzes Ost entfallen.

Gedämpft wird die Zuversicht auch durch die anhaltende Krise in Rußland. Sie gefährde auch in Zukunft die Exporte aus Ostdeutschland, denn Rußand sei noch immer der fünftwichtigste Handelspartner der neuen Länder, schreibt das IWH weiter. Allerdings dürften die ostdeutschen Exporteure diese Lücke durch den Absatz auf neuen Märkten schließen können, unter anderem durch die Erholung in Asien. Zudem werde die Wirtschaft im Osten von der Aufwärtsbewegung im Westen profitieren. Insgesamt konnten die neuen Bundesländer ihre Exporte 1998 noch um 18 Prozent steigern. Allerdings fiel das Plus deutlich geringer aus als im Vorjahr, als es fast 29 Prozent ausmachte. Bei den westdeutschen Exporten ging der Zuwachs von zwölf auf gut sechs Prozent zurück. Der Anteil der ostdeutschen an den gesamtdeutschen Exporten beträgt nun 3,7 Prozent, 1993 waren es 2,7 Prozent. Die regionale Struktur der ostdeutschen Exporte habe sich bereits deutlich der westdeutschen angenähert. 1998 seien mehr als die Hälfte der ostdeutschen Güter in Länder der EU gegangen, fast soviel wie aus den alten Ländern. 1993, dem Tiefpunkt des ostdeutschen Exports, waren es nur ein Drittel. Kräftig gestiegen seien auch Lieferungen nach Amerika, vor allem in die Nafta-Staaten. Gleiches gelte für die mitteleuropäischen Reformländer, deren Bedeutung für Ostdeutschland wieder zugenommen habe. Der Exportanteil mache jetzt zwölf Prozent aus gegenüber sechs Prozent im Westen. Der amerikanische Markt hingegen habe mit einem Anteil von 13 Prozent bei den westdeutschen Exporten ein deutlich höheres Gewicht als für ostdeutsche, allerdings sei er in den neuen Ländern mit 8,6 Prozent schon gut doppelt so hoch als noch 1993.

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