Wirtschaft : Ostdeutsche Wirtschaft: In den Köpfen liegen die Chancen

Antje Sirleschtov

Offenbart sich hier ein Widerspruch? Während Bundestagspräsident Wolgang Thierse noch vor wenigen Wochen die Öffentlichkeit mit der Einschätzung aufgeschreckt hat, dass die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands zehn Jahre nach der Wiedervereinigung "auf der Kippe" steht, unterstreichen jetzt die Experten der Frankfurter DG Bank das hohe Potenzial der High-tech-Industrie in den neuen Bundesländern. Übertreibt Thierse in seinem Pessimismus? Oder suchen die DG-Banker mit ihrer Untersuchung allzu medienwirksam Anlagechancen für Kreditkapital und blenden deshalb die ökonomische Realität des Ostens aus?

Fakt ist: Traditionelle Industriezweige, vom Stahlbau bis hin zur klassischen Bauwirtschaft, haben in der Vergangenheit Dynamik in erster Linie durch massive Subventionierung entfaltet. Eine flächendeckende Akzeptanz der Produkte auf den Weltmärkten blieb dennoch zu häufig aus. Unternehmen, die meist auf der Basis kreativer Produktentwicklung entstanden sind und durch innovative Ansätze Kunden fanden, haben sich hingegen - auch ohne allzu großzügige staatliche Unterstützung - zu Trägern des wirtschaftlichen Wachstums in Ostdeutschland entwickelt. Statistische Erhebungen und nicht zuletzt die DG-Bank-Studie liefern die Belege dafür. Wenn Bundesregierung und -länder in den kommenden Monaten über die Weiterführung des West-Ost-Transfers entscheiden, müssen sie sich von dieser Tatsache leiten lassen. Nicht flächendeckende Förderung des Kapitalstocks hilft dem Osten auf die Beine sondern Investitionsanreize für Zukunftstechnologien.

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