Wirtschaft : Ostdeutschland selbstbewußt

Mit hohen Erwartungen zur Messe nach Düsseldorf / Tengelmann zurückhaltend

DÜSSELDORF(hjk/ddpADN).Die ostdeutschen Konsumgüterhersteller haben auf dem gesamtdeutschen Markt vor allem als Lieferanten für die Eigenmarken der Handelsketten eine gute Expansionschance.Davon sind die großen deutschen Einzelhandelsunternehmen überzeugt, wie Vertreter von Allkauf, Edeka, Metro, Rewe, Spar und Tengelmann gegenüber dem "Handelsblatt" erklärten.Anläßlich der am Montag in Düsseldorf startenden Einkaufsmesse für Konsumgüter aus Ostdeutschland bekräftigten sie ihre Erwartung, daß die von den 14 führenden Handelsunternehmen mitveranstaltete Präsentation zu einer spürbaren Absatzsteigerung von Produkten aus den neuen Ländern im Westen führen sollte. Bundeskanzler Helmut Kohl, Mitinitiator der Messe, nimmt an der Eröffnungsveranstaltung teil.Wenn Preis, Qualität und Lieferzuverlässigkeit ostdeutscher Waren stimmten, werde eine verstärkte Aufnahme in westdeutsche Supermarkt- und Kaufhausregale künftig leichter sein als bisher, erläuterten die Konzernzentralen übereinstimmend.Keine Bevorzugung, aber eine faire Berücksichtigung wettbewerbsfähiger Produkte wollten die Handelsketten den knapp 900 Ausstellern aus den neuen Ländern anbieten.Die Konzerne gingen mit dem festen Willen nach Düsseldorf, die Lieferungen aus dem Osten auszubauen und zu festigen. Bei der Metro war sogar von einem möglichen "Quantensprung" die Rede, der von der Messe ausgehen solle, um das Geschäft auf höherem Niveau weiterzuentwickeln.Rewe wies darauf hin, daß es den Ostproduzenten vor allem darum gehen müsse, mit national geführten Markenartikeln Stammplätze in den Regalen zu erobern.Sie müßten sich bei den Verbrauchern mit international operierenden Lebensmittelkonzernen messen, die Bekanntheit und Image ihrer Marken mit großem Aufwand in Jahrzehnten aufgebaut hätten.Rewe: "Bei gleicher Qualität und gleichem Preis erteilen wir ostdeutschen Lieferanten den Zuschlag." Mit "Gefälligkeitsordern" sei niemandem geholfen.Zwingend notwendig für eine dauerhafte Lieferbeziehung, so die Metro, sei in der Folgezeit die Akzeptanz bei den Konsumenten. Tengelmann stieß nach eigenen Angaben bei dem Bemühen, mehr Ostprodukte zu listen, bisher oft an Grenzen, wegen des industriellen Transformationsprozessesund des geringen Bekanntheitsgrades der Ostwaren.Der Konzern hofft zwar auf die Möglichkeit von Neuabschlüssen in Düsseldorf.Er sieht aber angesichts der in der internationalen Lebensmittelindustrie herrschenden Strukturen "schwarz" für die vielen vorwiegend mittelständisch geprägten ostdeutschen Hersteller: "Sie werden es in Zukunft schwer haben, am Markt zu bestehen." Wie die Berliner Initiative "Wir" jetzt mitteilte, haben die an der "Einkaufsoffensive des Handels" beteiligten Unternehmen 1996 rund 15 Prozent mehr ostdeutsche Konsumgüter gekauft als im Vorjahr.Bis Ende 1998 sollen die Bestellungen mit Hilfe der Düsseldorfer Messe erneut verdoppelt werden.Nach Angaben der Bundesvereinigung der der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) haben ostdeutsche Lebensmittel im westdeutschen Einzelhandel nur sechs Prozent Marktanteil.Der Aufschwung der Branche im Osten sei in erster Linie "hausgemacht", weil immer mehr Bürger der neuen Länder auf regionale Erzeugnisse zurückgriffen und deren Marktanteil dort auf 40 Prozent hochgeschraubt hätten. Vor allem deshalb konnte die ostdeutsche Lebensmittelindustrie ihren Umsatz im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr überdurchschnittlich um 7,3 Prozent auf 24,6 Mrd.DM verbessern.In den alten Bundesländern legte der Branchenumsatz dagegen nur um 0,6 Prozent zu.Gemessen am Gesamtumsatz von 223,6 Mrd.DM erreichten die ostdeutschen Lebensmittel 1996 einen Marktanteil von 11 Prozent.Die Zahl der Beschäftigten blieb mit 72 000 Personen stabil.

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