Wirtschaft : Ostern, diesmal kürzer

Tewe Pannier

In unserer kleinen Firma in der Dubai Media City löst die Nachricht, dass wir über Ostern das Büro schließen, ganz unterschiedliche Reaktionen aus. Antoinette, der Sekretärin von den Philippinen, schießen sofort die Tränen in die Augen: „Oh wie schön, dann kann ich in die heilige Messe gehen und für meine drei Kinder zu Hause beten!“ Seit acht Monaten hat sie ihre Kinder nicht gesehen. Nabil, mein libanesischer Geschäftspartner, murmelt von seinem Schreibtisch aus: „Ist mir egal, ich fliege sowieso nach Beirut und feiere das Fest mit meiner Familie dort.“ Schon seine Großeltern haben Ostern in der griechisch-orthodoxen Kirche im Zentrum von Beirut gefeiert und sind in deren Hof begraben. Yasmina, die 21-jährige Verkäuferin aus Ägypten kann den Jubel kaum zurückhalten: „Super! Dann kann ich ja zwei Abende länger auf die Piste gehen!“ Dann, nachdenklich: „Was ist das eigentlich, Euer Ostern?“ Ich erzähle ihr von der Auferstehung Jesu, von Birkenzweigen und von bunten Eiern – und wünsche ein schönes, langes Wochenende.

Mein Auftrag am Samstag ist eigentlich simpel, aber der Ostermarsch dazu sehr lang. Ein bisschen Farbe zum Eierfärben und ein paar Zweige für den Osterstrauß. Drei Blumenläden hatten jeweils keine Zweige, an die man Eier hängen könnte. Kein Büro- oder Spielwarengeschäft hatte die Farbe für die Eier. Letzte Hoffnung ist der große Super-Supermarkt mit seinen paar Hektar Verkaufsfläche, wo es alles gibt. Fast alles. An Kasse Nummer 53, als ich meine spärliche Beute – ein paar Überraschungs-Eier und drei Schoko-Hasen – bezahlen will, treffe ich auf eine verzweifelte Frau, die ihren beiden Kindern mit schwäbischem Akzent erklärt: „Hier färben die Menschen eben keine Eier, deswegen finden wir auch keine Farbe.“

Zum Osterfrühstück am Sonntag liegen wenigstens ein paar getuschte Eier auf dem Tisch. Draußen heulen die Sirenen und der Berufsverkehr staut sich schon wieder. Zwei Kuriere klingeln an der Tür und die Bank ruft an, das neue Scheckbuch könne abgeholt werden. Mittags rufe ich die Kolleginnen an: „Ostern ist vorbei, am Montag machen wir das Büro wieder auf!“

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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