Wirtschaft : Ostprodukte-Messe hat Türen geöffnet

Aussteller und Politiker zeigen sich zum Abschluß zufrieden / Doch wenig konkrete Verträge

DÜSSELDORF (dpa/AFP).Von Eberswalder Würstchen, Florena-Creme, Jenaer Glas, bis zu Plauener Spitze, Rügener Fisch und Burger Knäcke hat bei der bisher größten Leistungsschau von Konsumgütern aus den fünf neuen Ländern und Berlin in Düsseldorf kaum ein Hersteller gefehlt."Der Osten hat mehr zu bieten als Rotkäppchensekt und Spreewälder Gurken - das zumindest ist in den vergangenen drei Tagen deutlich geworden", gaben sich Aussteller zum Abschluß selbstbewußt.Zwei Messehallen hatten sich drei Tage lang bis Mittwoch in einen Supermarkt für 900 angereiste Firmen verwandelt.Was fehlte, waren die Verbraucher.Für sie war die Messe, zum Bedauern einiger Aussteller, tabu. Dennoch hat sich die Einkaufsmesse nach Einschätzung der Veranstalter und des Bundeswirtschaftsministeriums als erfolgreich erwiesen."Die ostdeutsche Konsumgüterindustrie ist bundesligareif: Die Qualität ist top, und auch die Preise stimmen", sagte Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt am Mittwoch zum Abschluß der Veranstaltung.Wichtig sei jetzt, daß aus den geknüpften Kontakten dauerhafte Lieferbeziehungen entstünden.Nach den Worten des Ministers bezeichneten 60 Prozent der Facheinkäufer aus dem Nahrungsmittelbereich und rund 50 Prozent aus dem Nicht-Nahrungsmittelsektor das Angebot auf der Einkaufsmesse als gut bis sehr gut.Auch Skeptiker - die es vor allem in den Vorstandsetagen des Handels gegeben haben soll - habe der Verlauf der Messe mit nach ersten Schätzungen etwa 25 000 Einkaufsgesprächen überzeugt.Hoffnungsvoll äußerte sich auch Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf: "In besetzten Märkten sind persönliche Beziehungen besonders wichtig", sagte er.Den ostdeutschen Produzenten habe die Messe Türen geöffnet. "Man hat schon den Eindruck, es bewegt sich was", sagten Aussteller wie der Geschäftsführer der Pyrotechnik Silberhütte GmbH, Frank Schilling.Immerhin haben die 14 großen westdeutschen Handelsunternehmen Bundeskanzler Helmut Kohl versprochen, das Einkaufsvolumen östlich der Elbe bis Ende 1998 zu verdoppeln.Derzeit liegt der Anteil von Waren aus den neuen Ländern im Westen nach Schätzung von Fachleuten weit unter 5 Prozent - obwohl Produktion und Produkte in den vergangenen Jahren mit Millionen-Investionen und -Subventionen fit gemacht wurden.Voraussichtlich im Dezember soll in Berlin eine erste Zwischenbilanz gezogen werden, was die "Einkaufsoffensive" gebracht hat. Wer von den Ausstellern bereits in Düsseldorf mit spontanen Abschlüssen gerechnet hatte, wurde enttäuscht.Nach Schätzungen fahren nur 10 Prozent der Firmen mit konkreten Vereinbarungen nach Hause.Bei Fachforen wurde auch deutlich, wo die Hürden auf dem auch künftig steinigen Weg der "New Comer" in die Westregale liegen."Der Verdrängungswettbewerb im Handel führt zu Konditionen, bei denen nur große und finanzkräftige Unternehmen mithalten können", nannte der Dresdner Feinkostfabrikant Udo Doerr als einen Grund für die bisher spärliche Listung."Wir wollen keinen Ostbonus, aber faire Chancen." Nur billige Lieferanten für die Handelsmarken der Ketten zu sein, sei zu wenig. Das Manko der Ostfirmen: Es fehlt an Geld, um sich bekannt zu machen.Millionenschwere Werbekampagnen wie bei der Profilierung von "Spee" oder "Nordhäuser Doppelkorn" können sich mittelständische Hersteller ohne potente West-Mutter nicht leisten.

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