Wirtschaft : „Ostprodukte tragen bei uns rote Schilder“

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Claus JuelJensen

ist Geschäftsführer des Discounters Netto,

der in Nordostdeutschland 197 Märkte betreibt.

Foto: Promo

Herr Jensen, der Discounter Netto macht fast 50 Prozent seines Umsatzes in Deutschland mit Ostprodukten. Das ist ungewöhnlich.

Viele der ostdeutschen Produkte, die wir im Sortiment haben, sind frische Produkte, wie Eberswalder Fleisch- und Wurstwaren oder Immergut Milch . Davon verkaufen wir einfach besonders viel, das meiste davon natürlich in den Neuen Bundesländern.

Haben Sie schon immer Ostmarken verkauft?

Nein. Direkt nach der Wiedervereinigung wollten die Ostdeutschen nur Produkte aus dem Westen. Aber etwa eineinhalb Jahre später änderte sich das. Das Interesse an Westprodukten war nicht mehr so groß.

Warum nicht?

Der Reiz des Neuen war wohl vergangen.

Wie haben Sie reagiert?

Wir haben Kontakte mit Lieferanten aus der Region aufgenommen und die Produkte aus dem Osten mit roten Preisschildern gekennzeichnet.

Warum die roten Schilder?

Wir finden, dass die Produkte etwas Besonderes sind und weisen deshalb besonders darauf hin. Außerdem sind die Kunden sehr interessiert an Ostprodukten – und wir wollen es ihnen leichter machen, sie zu finden.

Sind die Ostprodukte billiger als Westprodukte?

Nein. Unsere Lieferanten produzieren kleinere Mengen als Lieferanten, die zum Beispiel an große Ketten wie Aldi liefern und können daher nicht so billig produzieren. Im Markt kosten sie etwa das Gleiche wie Westwaren.

Verkaufen Sie die Produkte auch im Westen erfolgreich?

Wir haben zehn Filialen in West-Berlin. Die West-Berliner waren neugierig, haben alles ausprobiert und kaufen inzwischen genauso viele Ostprodukte wie alle anderen.

Das Gespräch führte Martin Uebele.

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