Ostseepipeline : Lange Leitung aus dem Ruhrgebiet

Die Rohre für das Gas stammen aus Mülheim

David C. Lerch

Düsseldorf - Russen liefern das Gas, Deutsche die Rohre für den Transport. Diese stammen, zumindest zum überwiegenden Teil, aus Mülheim an der Ruhr. Der dort ansässige Spezialhersteller Europipe, eine Tochter des Dax-Konzerns Salzgitter, erhielt im November 2007 den gigantischen und äußerst lukrativen Auftrag des Nord-Stream-Konsortiums. Für den ersten Strang der Gasleitung auf dem Meeresboden, mit deren Bau nun begonnen wird, haben die Mülheimer bereits 75 000 Stahlrohre geliefert, mit einer Gesamtlänge von beinahe 1000 Kilometern. Jedes der Rohre ist mit 15 000 Euro etwa so teuer wie ein Kleinwagen. Weitere 65 000 Rohre schicken die Mülheimer ab Mai auf täglich drei Güterzügen an die Ostsee. Damit produziert Europipe etwa 70 Prozent der insgesamt 200 000 benötigten Rohre.

Aufträge in dieser Dimension sind dem einst von August Thyssen gegründeten Unternehmen, bei dem heute rund 1500 Beschäftigte arbeiten, durchaus vertraut, ebenso das Geschäft unter Wasser. Für den norwegischen Staatskonzern Statoil beteiligte man sich zuletzt an einer Pipeline durch die Nordsee. Zudem liefert das Unternehmen ab dem Sommer Rohre für eine Ölpipeline am Persischen Golf.

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Größter Auftrag der Firmengeschichte



Der Auftrag von Nord Stream ist dennoch der größte der Firmengeschichte und zudem technisch aufwendig. Denn die zahlreichen Rohre sind zwar alle 12,2 Meter lang und 1,1 Meter breit, aber verfügen über unterschiedlich dicke Wände – je nachdem an welcher Stelle im Meer sie verlegt werden sollen. Die mit 26 Millimeter dünnsten Außenwände kommen an das Ende der Leitung, nahe an die deutsche Küste, weil dort das Gas nur noch mit einem Druck von 100 Bar gepumpt wird. Am Beginn der Leitung in Russland sind dagegen 220 Bar vonnöten. Das erfordert Wände von bis zu 41 Millimetern Stärke.

Um diese Schicht zu schützen, aber auch um das Gewicht der Leitung insgesamt zu erhöhen, bekamen die Mülheimer Rohre auf der Ostseeinsel Rügen einen elf Zentimeter dicken Betonmantel verpasst. Danach wurden sie auf Zwischenlager in Schweden und Finnland verteilt, um die Wege zu den riesigen Verlegeschiffen zu verkürzen. Auf diesen Schiffen sollen nun die einzelnen Rohre verschweißt und dann Stück für Stück – bei ruhiger See täglich drei Kilometer der Pipeline – auf den Meeresboden herabgelassen werden. Zur Heizsaison 2011 soll das erste Gas hindurchströmen.

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